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Mittwoch, 15. August 2012

Sommerliches Kulturprogramm

Nachdem im letzten Jahr durch Umzug und Abschluss der Promotion für Anette kaum mal eine ruhige Minute drin war, haben wir diesen Sommer ein schönes Kulturprogramm an besonderen Orten hinter uns gebracht. Nachdem wir uns das seltsame "1000 Jahre Bamberg"-Calderon lieber geschenkt haben, mussten wir umdisponieren und haben einiges gefunden:

Den Start machten die romanischen Theaterwochen  an der Uni Bamberg; gegeben wurde Casa & Chiesa von Stefano Giannascoli, der das Stück auch selbst inszenierte. Ein verrücktes, kunterbuntes Stück! Wir waren sehr begeistert, erstens ob des ausdrucksstarken und empathischen Spiels (das man sich von ETA-Hoffmann-Theater hier und da auch in dieser Qualität wünschen würde!) und zweitens, weil wir mit Latein-, Spanisch und Urlaubsitalienischkenntnissen so viel verstanden haben, dass wir zumindest an den richtigen Stellen lachen konnten! Mit der am Eingang erhältlichen Kurzbeschreibung konnte man auch der Handlung gut folgen (Anette hat natürlich wesentlich mehr verstanden als ich...) Bei den Hauptrollen hat aus meiner Sicht vor allem der Pfarrer geglänzt - wenngleich wir natürlich viel mehr auf den Kurzauftritt von Vroni hingefiebert haben, der durch den emotionalen Wechsel von Glück zu tiefem Schmerz innerhalb kürzester Zeit ganz gewiss nicht ohne war, was sie aber beeindruckend meistern konnte.

Als nächstes hatten wir uns den "Tumult im Narrenhaus" von Lope de Vega ausgesucht. Das Stück in Bayreuth war übrigens schon allein wegen der Eremitage als Spielort ein echtes Erlebnis und auch im Stück selbst spürte man noch den Charakter der Wanderbühne aus der Zeit, in der ja auch Shakespeare geschrieben hat. Obwohl oder gerade weil es eine Komödie war, wirkten die demaskierenden Stellen ("Kennen Sie das Gefühl, wenn nachts die Angst aus der Wand tritt?" oder "Wir sind alle Narren: manche sitzen im Zuschauerraum und manche spielen hier vorne Theater") umso schwerer. Beim "Happy end" ist jedem klar, dass es absichtlich gesetzt und unrealistisch ist - ich glaube, genau das wollte Lope de Vega...



Zwischendurch wurde es musikalisch: Bei den Rosengarten-Serenaden gab das Titus-Quartett der Bamberger Symphoniker Stücke von Haydn, Beethoven und Brahms. Aufgrund der zweifelhaften Witterung konnten wir leider nicht unter freiem Himmel, sondern nur im Pavillion lauschen, dies tat der Qualität des Vortrags aber keinen Abbruch: Innerhalb weniger Minuten waren wir bezaubert und gingen wie das übrige (wesentlich ältere...) Publikum völlig in der Musik auf. Wenn man ein bisschen kritisieren will, kann man konstatieren, dass die erste Geige "nur" technisch sauber und die Viola kaum herauszuhören war, während die zweite Geige mit Inbrunst und das Cello geradezu innovativ gespielt wurden. Wohl dem, der als Bamberger auf so hohem Niveau meckern kann... Von den Stücken hat mich vor allem Brahms begeistert - Haydn klang wie ein typsiches "Bestellstück" jener Zeit, das irgendein Fürst jener Zeit für Anlass x brauchte und von Beethoven habe ich auch schon Wuchtigeres gehört. Da müssen wir aber sicher noch ein paar Konzerte hören, bevor ich solche Äußerungen kompetent machen kann... Ein erster Schritt ist, dass wir im Winter mal schauen wollen, was so ein Symphoniker-Abo kostet...



Den Abschluss machte mit Hamlet im Felsengarten Sanspareil ein Klassiker, naja, eigentlich war es Hamletine, die Hauptrolle wurde nämlich von einer Frau gespielt... Es war zwar toll, endlich mal das Stück, aus dem ja so viele Zitate als geflügelte Wörter kursieren, aufgeführt zu sehen - das Ensemble brauchte aber ein bisschen Aufwärmphase und auch falscher, lauter Gesang, Gerenne und Gehopse wären bei der Inszenierung entbehrlich gewesen. Der Felsengarten Sanspareil war dagegen etwas besonderes - eine Art gestalteter Waldgarten mitten im Fränkischen Jura!


So viel für heute und bis bald!

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