Tweet!




Posts mit dem Label Neue Kulturgeographie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Neue Kulturgeographie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Ein Plädoyer für unordentliche Orte



Es gibt seltsame Orte. Eigentlich zeichnen sie sich dadurch aus, dass es Orte sein könnten, aber doch keine sind. Einen Bahnsteig zum Beispiel. Es gibt Sitzplätze, ein Dach über dem Kopf, Getränkeautomaten. Trotzdem lädt er nicht wirklich zum Zusammensitzen, zum Nachdenken oder zum Ausruhen ein. Zu laut rufen die ankommenden Züge mit kreischenden Bremsen, die abfahrenden mit heulenden Motoren, die Stehenden mitunter mit benebelndem Tuckern den eigentlichen Zweck in Erinnerung. Die gesamte Anordnung der räumlichen Gegebenheiten dient genau einem Zweck: Ein- und Aussteigen. Alles andere ist nur temporär, Wartezeit, die quälende Totalsperrung einer hektischen Welt. Es ist eine Anordnung, die sich einer abweichenden Aneignung gründlich widersetzt. Wer es dennoch versucht, erlebt und lernt viel, kommt aber nie an. Im Puls einer halben Stunde (so lange dauert es meist, bis auf demselben Gleis der nächste Zug einfährt) kommt es zu einem kompletten Austausch der umgebenden Menschen, die sich in diesen Ort mit einschreiben. Bestenfalls ist die gemeinsame Grundstimmung Rücksicht oder Ignoranz. Schlimmstenfalls das Setzen von Tatsachen (Handy-Gespräche, laute Musik, Zigaretten).

Tollkühn muten Transportinseln an, die man mitunter vom Fenster aus sehen kann, ist man doch eingestiegen. Sie erzählen eigentlich mehr über Mais- oder Zuckerrübenanbau, den Bewuchs von Bahndämmen oder geschotterte, provisorische Parkplätze, die sich verloren an sie drängen. Es gibt genau einen Bahnsteig, der zu ebener Erde zu erreichen ist und in Abwesenheit von Zügen oder Fahrgästen wie ein Fremdkörper wirkt: kein Fußweg führt vom Parkplatz  weg, kein Zug verspricht Linderung. Es bliebe nur der vorsichtige Gang entlang der Landstraße, dorthin, wo die nächsten Dörfer ihre ungefähre Lage durch Kirchtürme verraten, ein Weg, der gleichfalls wie ein Verstoß anmutet, da die gefährlich nah vorbeifahrenden Autos entweder ihre Geschwindigkeit nicht verringern oder bewusst weit ausholend den Gefährder umfahren.

Es gibt Orte, die könnten irgendwo liegen und rufen doch dieselbe Reaktion hervor: Glatt spiegelnde Wasserflächen an sandigen Säumen oder nahe in üppigen Grün überhängenden Pflanzen, die ihre Finger ins kühle Nass strecken, als wollten sie spielen, Bootsstege mit schaukelnden Wellen, ein sanfter Wind und das beruhigende Rauschen der See oder eines nahen Baches. Würde man dieselben Menschen vom Bahnsteig fassen und in Sekundenbruchteilen in ein solches Szenario versetzen, würde es nicht lange dauern, bis die Musik abgestellt, die Bücher zugeklappt, die Notebooks verstaut wären, bis das erste Lächeln über die Gesichter huschen würde, bis Jacken beseite gelegt oder zu Decken improvisiert würden, bis ganz automatisch erste Wortfetzen mit zustimmendem Nicken quittiert würden. Zugegeben, die Handys wären noch da, jetzt allerdings zum Festhalten der Stimmung für die Daheimgebliebenen im Bild.

Die wesentliche Frage lautet also: Was ist es, das aus einem Zusammenkommen von unterschiedlichen Komponenten einer räumlichen Anordnung so deutlich unterschiedliche Daseinsmodi suggerieren? Was ist unveränderlich und was haben wir nur vergessen, anders zu betrachten?

Die Anfälligkeit von Orten gegenüber den Gefühlen der Menschen, die ihnen mit Widerwillen, mit Unbehagen oder mit Scheu begegnen, die zumindest der dominanten Deutung nicht entsprechen, kann dem aufmerksamen Betrachter überall begegnen. Grünflächen, wenn sie nicht vom besten Freund des Senioren, sondern von unangenehm laut lachenden Jugendlichen belagert werden, die sich dort einfach hinsetzen. Da muss man schon mal zur Ordnung rufen! Auch eine Bar oder auch ein Club sind zunächst eine prima Sache, wenn man neue Menschen kennenlernen will. Für jeden Musikgeschmack gibt es schließlich Alternativen, an alle ist gedacht, Raucher wie Nichtraucher, tiefsinnige Gespräche und direkte Avancen, Tänzer wie Tanzverweigerer, Cocktail- oder Korntrinker. Und doch sind es Kleinigkeiten, falsche Kleidung am falschen Ort, das falsche Getränk, das falsche Wort, die einen Besucher maximal von diesem Ort entfremden, zu einem Kork auf der Oberfläche werden lassen, mitschwimmend und doch abgestoßen, umgeben von Menschen und doch fremd. Es sind so Kleinigkeiten wie die falsche Tageszeit. Schon mal abends ein frisches Hörnchen gefunden? Oder vormittags auf dem Oktoberfest gewesen?

An sich ist es erstaunlich, wie alternativlos Menschen mit völlig verschiedenen Hintergründen auf diese Welle einschwingen können, die ein Ort ausstrahlt, wie leicht es ihnen z.B. fällt, sich im Schutz des konzertierten über die Stränge Schlagens einer Party aufeinander einzulassen, auf Menschen, die am Bahnsteig oder mitten in der Hektik des Vormittags einander keines Blickes würdigen würden. „Es tut gut, mal richtig Party zu machen! Einfach loszulassen!“ erzählen sie. Man ist versucht zu entgegnen: „An was hast Du denn vorher so krampfhaft festgehalten?“ Ist es nicht erst die unhinterfragte Struktur des Alltags, die in Wahrheit Freiheit raubt?

Es gibt eine Menge geordneter Unorte, z.B. Schulen, die den Geist einschränken, anstelle ihn zu bilden. Klassenzimmer als Schubladen, deren Inhalt wie ein Zettel zur Beschriftung alle 45 Minuten ausgetauscht wird, Büros, in denen für Aufgaben exakte Zeiten bemessen werden. Spielplätze, hat einmal jemand gesagt, sind tolle Erfindungen; wenn man den Sand, die Geräte und die lachenden Kinder wegdenkt, die Gleichförmigkeit ihrer Gestaltung sieht und den Zaun, der schützen soll, sind sie nichts weiter als Kinder-Ghettos.

Im Sommer, wenn die klimatischen Bedingungen stimmen, wenn die Abende lang und mild sind, laufen sie zeitgleich, als wären sie programmiert, mit Tüten voll Grillgut, Kohle, Kästen voll Gebräu und grinsenden Mienen in Gärten, wo immer ein Stück Grün Freifläche bietet, umgeben von ihresgleichen, übertreffen sich in erlernten Kulturtechiken und versichern sich der Besonderheit der Situation, wenn sie bierselig über alles und nichts reden. Bald ziehen Rauchschaden um alle Häuser, fläckern Feuer, glimmen Kohlen, klingt Musik, als griffen Automatismen, als wäre es unnötig zu denken und zu fühlen, als wären Veränderungen mühselig und alles Einfache erstrebenswert. Ist das nicht gelinde gesagt, phantasielos?

Es gilt zu erwägen: ein Ort ist keine Anordnung von Dingen, er ist ein Gefüge von Zutaten, die von vielen Menschen in die richtige Mischung gebracht, geknetet und gebacken werde müssen, bevor sie reifen und Sichtbarkeit erreichen. Stimmt das Mischungsverhältnis nicht, oder trifft es schlicht nicht den Geschmack, ist er für den einzelnen Besucher verdorben. Er wird ihn vermeiden, gleich wie viele er anzieht, er wird es vorziehen, andere Ort aufzusuchen, zu mischen, zu wenden und zu verfeinern, bis für wenige Momente durch die Anwesenheit und Mithilfe anderer ein besonderes Rezept gelungen ist. Kleinkunst am Straßenrand in Berlin kann nur so funktionieren.

Insofern scheint es zwei Wege zu geben, kreativ zu bleiben und die Ordnung der Orte nicht allzu ernst zu nehmen, ihnen auch mal die Frisur zu zerzausen und die Strenge zu nehmen: Es ist mitunter wichtig, den Ablauf und die räumliche Struktur eines Events zu kennen, bevor man dorthin geht, weil man nur so die Gedanken frei hat für neue Kontakte, unerwartete Gespräche, einmalige Erlebnisse und neue Inspirationen. An zu viel Veränderung auf einmal kann nur der geübte Kosmopolit nahtlos anschließen. So tut es gut, Anordnungen vorzufinden, die bekannt sind: Eben weil, die Kohle glüht wie immer, das Bier und das Steak schmecken wie immer und der Ort in den Hintergrund treten kann für den Blick auf die Menschen. Und doch ist es wichtig, den kleinsten gemeinsamen Nenner auch als solchen zu begreifen und nicht als unveränderlich zu denken. Ver-rückte Orte erforschen sich am besten in vertrauter Runde: Denn liebende Menschen kann man überall mit hinnehmen.

Sonntag, 4. November 2012

Hurrikan Sandy trifft New York. Punkt?

Räume werden im Kopf gemacht, Grenzen existieren nicht von sich aus in der Realität (eine solche vorausgesetzt), sondern vor allem in unseren Überzeugungen, die gegenüber Veränderungen sehr resistent sein können - so viel hat die jüngere Forschung der Geographie gandenlos aufgedeckt. Erstaunlich ist im Machtspiel der Geopolitik aber auch die Ausprägung der Ignoranz, nämlich das Fehlen einer Vorstellung beim vorgeblichen Fehlen einer Relevanz. Ein geopolitisches Achselzucken gewissermaßen.

Sehr schön lässt sich das zur Zeit wieder am Hurrikan Sandy beobachten. Hurrikan Sandy trifft New York. Punkt. Und vielleicht noch ein paar andere Dörfer an der US-Ostküste. Sonst ist ja nichts passiert. Um es gleich deutlich zu sagen: Ein solcher Sturm mit so vielen Toten ist eine Tragödie und die Folgen eines gleich starken Naturereignisses wären in Deutschland kaum abzusehen und der Sturm erreichte im Augenblick seiner größten Wucht diese Region. Dass aber die internationale Presse, und dazu muss ich auch die deutsche Presse als Repräsentant eines nicht unmittelbar betroffenen Landes zählen, so auf die US-amerikanische Lage fokussieren, nachdem die Zerstörungen auf der vorherigen Zugbahn Sandys ebenfalls erschreckende Ausmaße erreicht haben, stimmt mit nachdenklich, wenn nicht instinktiv wütend, da ich eine Ungerechtigkeit wähne: "Was interessiert uns, ob in Haiti, das ohnehin kaum ordentliche Häuser hat, eine Wellblechhütte umfällt? Business as usual. Ja, die Leute dort haben Probleme, aber das hat ja nichts mit uns zu tun." Tue ich den Berichterstattern unrecht? Oder ist das doch ein soziokultureller Neglect, der da auf der Wahrnehmung liegt?

Eine vorsichtige Abschätzung, in Ermangelung eines geeigneten Korpus mittels Google:
  • Suchtreffer "US hurricane sandy" 3.320.000.000
  • Suchtreffer "new york hurricane sandy": 1.470.000.000
  • Suchtreffer "haiti hurricane sandy": 89.500.000
  • Suchtreffer "cuba hurricane sandy": 83.400.000
Allein New York bekommt damit eine Aufmerksamkeit, die bei Textlinks im Web (natürlich ohne Bewertung der Korrektheit der Treffer) die 16fache Aufmerksamkeit beträgt wie bei Haiti. Von der Bilderflut für den angehenden Katastrophentouristen mit Fotostrecken von abgesoffenen Taxis, der dunklen Skyline und Ähnlichem ohne nennenswerte Bilder aus Haiti ganz zu schweigen. Auf der Seite 1 der Google Bildersuche ist mir jedenfalls kein Motiv aus der Karibik aufgefallen. Wie lässt sich das erklären?

Ein paar Hypothesen:
  1. Die Zustände in Haiti sind völlig unklar. Es ist nur klar, dass es verheerend gewesen sein muss. Es gibt keine Reporter vor Ort.
  2. Sehr viele Journalisten sind dagegen immer in New York und berichten naturgemäß zunächst aus eigener Anschauung.
  3. Alle, die ein Smartphone besitzen, sind in der Lage, Bildmaterial zu erzeugen und damit das Netz zu fluten. Wer halb am Verhungern ist wie in Haiti, hat somit im doppelten Wortsinn kaum Sichtbarkeit.
  4. In New York ist es immer das als unverletzlich gedachte Symbol, die in so vielen Hollywood-Filmen gestählte Ikone der westlichen Welt, die tatsächlich (schon wieder!) verletzt wurde. Im Verhältnis zur Erwartungshaltung ist das Bild einer überschwemmten Wellblechhütte in Haiti mit hungernden Bewohnern im Erwartungsrahmen,während ein dunkle und überschwemmte Skyline in New York, der Stadt, die ja angeblich niemals schläft, der Stadt der Träume, die den Erfolgreichen zu dem Urteil verleitet, er könne es jetzt in der ganzen Welt schaffen (wie vermessen, Erfolg in einem sehr genau umrissenen soziokulturellen Kontext zu gerneralisieren) verschreckt und verstört.
Dieser Missstand in der Berichterstattung lässt sich nicht durch einzelne Stimmen beheben, und auch wenn von meinen Hypothesen (Vorurteilen?) einiges davon zutreffen sollte, Aufdecken alleine hilft nicht und solange ich diesen Blogeitrag schreibe, reift in mir die Erkenntnis, dass zumindest ich dann auch etwas tun sollte - immerhin hat das Rote Kreuz einen eindeutigen Spendenaufruf für Haiti formuliert - und nicht für New York.

Sonntag, 18. März 2012

Die Zwangsläufigkeit von Reduktionismen

Nach dem eher episodischen Post vom Donnerstag will ich mich heute wieder dem tieferen Gedanken zuwenden, der mich seit Wochen umtreibt, nicht nur, aber sicherlich ursächlich als Ergebnis meiner Bemühungen um mein Promotionsprojekt. Ausgangspunkt soll die Frage danach sein, warum es manche Menschen - mitunter sehr emotional - ablehnen, die Welt genauer zu betrachten: "Ich weiß doch genau, warum etwas so und so ist bzw. dass es dort genau so und so ist, warum erzählst du mir etwas anderes? Warum sollte ich etwas suchen, dessen Ergebnis schon feststeht?"

Um deduktiv theoriegeleitet zu argumentieren: ich glaube, es ist die Illusion der Beherrschbarkeit des Alltags durch Routinen, die manche Menschen verzweifelt an den Grenzen ihrer Welt festhalten lässt, als seien sie der einzige Halt in einer sich stetig vervielfäligenden Umwelt. Ganz gleich, ob es der Kaffee am Morgen, die Zigarette zwischendurch, das Bier am Abend oder eine bestimmte Einschlafposition in zeitgeographischer Hinsicht oder "mein" Verein, "meine" Disco oder "mein" Supermarkt in räumlicher Hinsicht sind; die Annahme einer klaren Strukturiertheit der Umwelt gewähren zumindest für einen kurzen Intervall Sicherheit, ein Ankommen und ein Vertrautsein, das Planbarkeit zumindest einer kurzen Spanne der Zukunft verheißt: Ich kenne den Ort oder die Stunde, an dem oder der ich ein bestimmtes Bedürfnis befriedigen oder eine bestimmte Emotion evozieren kann.

Was ich nicht verstehen kann, ist, dass wenn ich die Illusion als solche erkannt habe, und mag es noch so schmerzhaft gewesen sein, nicht danach dränge, sie zu ergründen und ihre Genese zu hinterfragen. Vielleicht fehlt vielen auch schlicht ein Weg zur Erkenntnis?


Tatsache ist: wenn man erst einmal angefangen hat, dass scheinbar Gegebene zu hinterfragen, müssen die Gesetze des Alltags, oftmals selbstgemacht, nicht mehr gebrochen werden, um frei zu sein, es reicht dann eine spielerische Neusgestaltung: Um Metaphern zu bemühen: es wird dann nicht mehr Fußball, sondern Theater gespielt. Es gibt nicht mehr nur noch den Ball und 90 Minuten, sondern eine facettenreiche Rolle, die erprobt werden will. Dies erfordert indes den Mut, eine scheinbar bekannte Welt neu zu ergründen, sie mir täglich neu aneignen, das sich Einlassen auf das Andere.

Sicher auf dem Weg zur Erkenntnis ist auch: Am meisten können wir aus den größten Irritationen lernen. Nie lernen wir mehr als im Gespräch mit anderen Menschen, die unserem Alltag fremd sind und die ihn gerade daher besonders bereichern können.

Das verblüffende an dieser Tatsache ist ihr Rückverweis auf die Reduktionismen vom Anfang: sie finden sich nämlich nicht nur in Raum und Zeit, sondern auch in unserer Sprache. Jedes Wort vereinfacht notwendigerweise die Komplexität der Welt, um sie verhandelbar zu machen. Reduktionismen sind also ein wichtiger Startpunkt, um überhaupt ins Gespräch zu kommen:

"Neulich war ich in Hamburg!" "Ah, hast du die Speicherstadt und den Hafen gesehen? Warst du auf dem Michel? Auf der Reeperbahn in St. Pauli?" "Sicher! Besonders schön war es auch an der Alster!" "Ja, dort ist es toll!" usw. Selbst wenn der kritische Geograph sofort in Rage gerät: "Was ist denn DIE Speicherstadt für dich? St. Pauli ist mehr als nur DIE Reeperbahn!", der erste Schritt der Erkenntnis ist immer das Herstellen von Gemeinschaft in einem einfachen Verstehen. Die wenigsten Menschen werden glauben, damit bereits die ganze Wahrheit gesagt zu haben, aber es ist der erste notwendige Schritt dorthin. Erst auf der Grundlage dieses ersten Begriffsnetzes ist ein Austauschen von individuellen Reisetipps o.ä. zur Gewinnung eines nach und nach differenzierten Bildes möglich.

Natürlich ist das Erleben von Gemeinschaft in der Schilderung oder gar der Emotion teilweise kognitiv bedingt: Schöne Aussichten von einem erhöhten Standpunkt, schönes Wetter und offene Wasserflächen faszinieren sicher fast alle Menschen - beim Image von Stadtteilen oder Regionen wird das Ganze schon schwieriger und häufig polemischer. Hier bedarf es neben des Muts, sich auf das Neue einzulassen der Geduld, bezüglich eines Diskursfragments die vorherrschenden (Re-)produktionsregeln in aller Ruhe zu durchdringen und ernstzunehmen, sie vorurteilsfrei zu lesen, bevor sie verändert werden können.

Halten wir fest: Die Grenzen des Denkens zu verschieben und für einen kurzen Moment wirklich zu wachsen, bedeutet also nicht immer die gnadenlose Revolution, sondern manchmal auch, vorher auf eine bestimmte Erwartungshaltung eingehen zu können, sie bewusst zu bedienen und von diesem Ausgangspunkt aus nacheinander Differenzen anzulegen, die im Dialog helfen können, das erste Urteil zu revidieren: "Die USA, das ist Hollywood, New York, Texas, die Great Plains und die Rocky Mountains. Es ist kaum möglich, ob der Vielzahl der Orte und ihrer Überladung mit Bedeutung von DEM 'Amerikaner' in Deutschland zu sprechen. Schlussendlich gibt es wohl auch dort Menschen, die sich je nach ihrem Charakter in ihrem Bemühen, sich weiter zu entwickeln oder eben nicht kaum von der mir vertrauten Welt unterscheiden."