Nachdem ich gestern schon zum insgesamt zum vierten Mal mit den Untereuerheimern auf Wallfahrt nach Dettelbach war (wie immer ein Tag voller schöner Eindrücke, Gespräche und lieber Menschen) und diesmal auch rechtzeitig den GPS-Logger eingeschaltet habe (und mittlerweile ein bisschen was von Web-Visualisierung verstehe), möchte ich hier natürlich nicht einen Einblick in unseren gemeinsamen Weg vorenthalten (zur größeren Karte). Es fehlt das erste Stück aus Untereuerheim (da war ich noch nicht dabei) und das letzte Stück von Neuses am Berg nach Dettelbach (da war mein Akku alle):
Wie immer habe ich in Volkach Touristen erschreckt, die sich hinter dem postkolonialen Auge ihrer Kamera uns eingeborenen Fanatikern überlegen wähnten. Hier der dazugehörige Online-Pranger (einer schaut dümmer als der andere):
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Sonntag, 8. September 2013
Freitag, 5. Juli 2013
5:30: Rangiervorgang beendet (There and back – a desparate computer scientists tale)
3:50: Aufstehen.
4:42: Ich hasse Abschiede am Bahnsteig.
Ich hätte meine Frau lieber dabei. Ich versuche, in Tagen zu
rechnen. T-9.
5:30 Schichtbeginn in Schweinfurt: Der
Zug füllt sich seit Hassfurt mit Blaumännern. Jeder kennt jeden. Es
geht darum, wer wann gestern zu viel oder zu wenig getrunken hat und
ob gezieltes Training Muskeln bringt. Der Zug kommt wirklich mal
pünktlich in Würzburg an.
6:30 Nebel über den Feldern vor satt
dunkelgrünen Hängen. Franken.
7:00 Sie studieren Sport und Religion.
Auf Lehramt. Sie lernen Dichotomisierung und Dialektik (auswendig),
können es aber nicht aussprechen (Discho-tom... was is des?),
geschweige denn, dass sie verstünden, was es bedeutet. Es geht nur
darum, wie man leicht an seine ECTS kommt und welche Themen
wahrscheinlich dran kommen...
7:30 Manager nutzen offensichtlich
Handlungsspielraum, sie explorieren ihn nicht (Den
Geisteswissenschaftler, die Handlungsspielraum schaffen, zahlt
niemand was.). Sie gehen im Erwartungsrahmen auf (Anzug, Reden über
Porsche, Aktentasche, Designen emsig Marketingfolien) – wird in
Frankfurt noch produziert oder nur verdient? Es geht um steigende und
sinkende Preise.
7:30 Idee nach Lektüre: Die Illusion
ist die gefühltenSicherheit, nicht das sich als Person empfindende
Subjekt, das ist Daseinsgewissheit. Die Überwindung der Sicherheit
ist ein Aspekt von Freiheit.
8:00 An der Passkontrolle: „I'm a
tipper. I always give a tip. But the Germans keep it unless you want
it back.“
8:30: Am Scanner: „Zeigen sie mal
Ihren vielen Medikamente! - Herzallerliebst! Sie fliegen dat erste
Mal, wa?“ Sag halt einfach, dass ich das Zeug mitnehmen darf...
9:20: Das Boarding beginnt NICHT. Die
Lebenserhaltungssysteme (oder so) im ursprünglich geplanten Flugzeug
funktionieren nicht. Es werden 25 Minuten in Aussicht gestellt. Das
würde mir kaum zu Imigration, Koffer umbuchen und boarden reichen.
Mir wird im Fall der Fälle eine ad hoc Umbuchung in Houston in
Aussicht gestellt. Ganz hinten unter den Wartenden entdecke ich Oma
Yedda. Gut, jemanden, der so aussieht, wie … vor 20 Jahren
ausgesehen hat.
9:50: Boarding beginnt faktisch. Die
Deutschen schaffen es nicht, sich in two lines upzurowen, die Amis
sind sauer. Der Pulk drängelt einfach durch, obwohl nach Reihen
aufgerufen werden sollte. Die ganz hinten brav Wartenden (inkl. mir)
werden zur Business Class durchgewunken, nachdem das Boarding hier
abgeschlossen ist. Neben mir ist sogar ein Platz frei! Ich hätte
Anette doch mitnehmen sollen.
10:30: ca. Take-off: Europäische
Wertarbeit. Schnurrt, beschleunigt, zieht ansatzlos nach oben. Und
der A-380 ist wirklich ein Riesending! Der Kapitän beruhigt: Arrival
on time still possible. Schaun wer mal. Ich seh mich von meiner neuen
Kreditkarte schon schöne kalifornische T-Shirts kaufen...
11:30: Nordsee. Ein indisch-stämmiger
Amerikaner und ein BWL-behemdeter Deutscher mit nach oben operierten
Mundwinkeln streiten sich, ob der Sitz so weit nach hinten geklappt
werden darf, dass er dem Inder (sorry, dem
non-european-ancestor-ooking-American) im Gesicht hängt. Die
Stewardess kann keinem der beiden als Deeskalationsstrategie den
freien Sitz neben mir vermitteln. Der Deutsche bekommt leider Recht
und kostet es weidlich aus. Der Konflikt schwelt.
12:00: Komisch: ich tipp hier und schau
mir wie immer die Route auf dem Bordmonitor an (der A-380 bietet
3D-Animationen der gerade überfolgenen Landschaft, die anderen
glotzen fern oder schnarchen. Keine Manager, die was arbeiten wollen?
Ach so, heut ist ja Feiertag... Die Nackenhörnchen- und Kissenrate
ist bedrohlich hoch.
12:15: wird umfliegen den britischen
Luftraum ungefähr in der 30-Meilen-Zone. Was ist da los? Es riecht
nach Lunch. Angekündigt sind auch noch zwei Snacks und Dinner.
Genau, macht mal was für mein schönes Projektgeld. Wenn jeder hier
drin das gleiche bezahlt hat wie ich und kein riesen Reingewinn drin
steckt, kostet ein Transatlantikflug mit der A-380 samt Personal ein
hübsches freistehendes Einfamilienhaus in Oberhaid. Wow! Der
Konflikt ist bereinigt. Nachdem der Deutsche eine Dreiviertelstunde
Reht hatte, klappt er den Sitz nach oben.
12:30: Mint erkennt mein Headset, mag
es aber nicht als Standard-Audiogerät verwenden. Der komische
Billighöhrer, der für die reichhaltige Videothek (Trash, Trash,
Trash) des Bordcomputers beilag, ist nicht genormt und liefert mit
seinem tollen Doppelstecker nur Sound auf dern rechten oder dem
linken Ohr. Super, jetzt ist auch noch der eine Kopfhöhrerschutz
abgerissen. Ist eh zu laut für Musikgenuss. Restliche Flugzeit 8:21
Std , restlicher Akku 5:55 Std. Gut, dass ich zwei Notebooks im
Handgepäck hab ;)
13:15: Island-Tief über Island.
Schade. Jetzt seh ich wieder nicht, wohin der Schatten des Scartares
fällt und dabei sind fast genau die Kalenden des Juli... Wäre ich
nicht Geograph müsste ich mich demnächst fragen, wo die Grenze
zwischen Europa und Amerika genau verläuft. Ist auf Wikipedia aber
sicher geklärt. Mittagessen in der Alu-Schale. Richt wie warmer
Audi, schmeckt aber brauchbar. Dazu Zitronentörtchen. Uäh,
Putzmittel...
16:00: Habe tatsächlich fast drei
Stunden an meinem Trackanalyse-Tool gebastelt. Warum nur sieht der
eigene Code nach einem halben Jahr ohne Arbeit daran grässlich bis
inkompetent aus? Da darf ich noch ein bisschen basteln, bis ich da
geeignete Maßzahlen für Erlangen beisammen habe. Mittlerweile habe
ich wolkenlose Blicke auf Grönland und Kanada erhascht! Mein
Reihennachbar, den ich bislang als Schnarcher im Verdacht hatte, ist
gerade mal nicht da (wo er gerade ist, sieht es wüst aus – ich
werde mir weitere Besuche bis zur nächsten Landung verkneifen) –
es schnarcht aber immer noch; etwas weiter drüben, dafür umso
lauter. So kann man sich täuschen... Gleich gibt es noch die
Zoll-Zettel zum Vorausfüllen. Richtig, da war damals was... Immerhin
scheinen wir mittlerweile wirklich wieder im Zeitplan. Halbe Stunde
bis zur Hudson-Bay, dann überfliegen wir nur noch Land
13:55 (Houston Time): got contact. Die
Erde hat mich wieder. 33°C in Texas. Procedere von hier:
Immigration, Koffer holen, custom protection, Koffer aufgebe,
Sicherheits-Scan, Terminal suchen, boarden. Ach ja, das alles vor
15:15 Uhr
14:30 Immer noch an der Immigration.
Der texanischen Beamte hat zwar ein mahnendes Poster (you are the
face of our nation!) hinter sich hängen, scheißt aber trotzdem
jeden an.
14:45 Der Koffer kommt als einer der
ersten. Jei, das kann klappen!
14:50 Der Zoll ist völlig überfüllt
und winkt einfach nur durch.
14:55 Der Koffer ist wieder aufgegeben
15:00 Horror! Ca. 300 Leute am
United-Sicherheits-Scan vor mir! Aber im Queues abarbeiten sind
Amerikaner unübertroffen. Ein humorvoller Beamter an der
Scan-Station lacht mit mir gemeinsam darüber, dass es auf deutsch so
herrlich kompliziert „Bitte warten Sie doch noch kurz dort drüben!“
heißen würde. Immerhin fragen tatsächlich Leute erst mal, woher
man kommt und wie das bei einem daheim funktioniert. Ein murfiger
Franke hätte wahrscheinlich auch „do bleibsd steh!“ gesagt. Ohne
Nachfrage.
15:15 Gescannt, Schuhe wieder an. Die
Frau an der Security-Schleuse ist über meine Übereifrigkeit,
kontrolliert zu werden, so amüsiert, dass sie lacht: „Relax, man!
Happy Indipendence day!“ Der Flug ginge jetzt.
15:22 Ein United-Mitarbeiter erklärt
mir, dass die Abflugtafel nicht nach Zeit, sondern nach Alphabet
sortiert ist – und dass mein Flug auf 16 Uhr delayed ist! Yippieh!
16:00 Eine echte Texanerin am Tresen.
Scheißt die Leute zusammen und tanzt gleichzeitig mit Hüftschwung
die Zeit tot.
16:35 Nerv! Es geht los. Der Koffer
sollte es also auch geschafft haben.
17:35 (West coast time) Nach ein paar
verwirrenden Schleifen im Tiefflug über San Diego: „We have a flap
malfunction and cannot land in San Diego, because than runway is too
short. We are redirected to LA.“ Panisches Lachen im Flugzeug.
18:00 (around) Wir setzen sicher auf.
Wenn ich das richtig verstanden habe, hatten wir vieeel Anlauf, weil
wir im Sinkflug reinkommen mussten und hatten deswegen einen Bremsweg
wie ein Kieslaster. Die bereitgestellten Foam Units hupen vor Freude
Spalier. Puh, an den Trollen, die mich kochen wollen, bin ich schon
mal vorbei.
19:00 Ein Ex Navy Flieger
beglückwünscht mich, dass ich trotz flight fear cool geblieben bin,
nimmt mich unter seine Fittiche und erzählt mir Horrorgeschichten.
„At the navy, we fixed flaps with tape.“ Beruhigend. Durchsage:
Es wird ein Anschlussflug kostenlos und unbürokratisch
bereitgestellt. Der Flughafen ist leer – independence day.
19:30 Geplapper beim Warten an den
Anschlussflug: Älteres Ehepaar: „We are from Florida and are on
vacations. I guarantee we will get back by car!“ „That wan't the
plane we were supposed to fly on. It was taken out of a barn before!“
Eine Österreicherin, die bei München lebt, erzählt mir, dass sie
aus Mexiko-Stadt kommt, wo der „Taxi“-Fahrer nicht wusste, wo der
Flughafen ist und von der Polizei mit den vorgehaltenen großen
Wummen auf seine Seriosität gecheckt wurde. Nach San Diego ist sie
bloß über Houston geflogen, weil sie dort mit ihrem Kollegen aus LA
das Feuerwerk zum Independence day anschauen wolte. Jetzt steht sie
in LA und er in San Diego im Flughafen. Dort steht übrigens wohl auf
der Anzeigetafel, dass wir gelandet sind... (nur nicht, wo!) Die
Sicherheitskontrolle fällt übrigens aus. Es wird nur per Ausdruck
geschaut, dass wieder nur Leute einsteigen, die schon mal an Bord
waren.
20:30 Ersatzmaschine hebt ab. „That's
the same plane, isn't it? They just painted it!“ „We will see a
firework today, whether in San Diego or even before...“ Die haben
schon einen bösen Humor. Nach dem Start durch den Seerauch, der vom
Pazifik hereinzieht, ein beeindruckend glutroter Sonnenuntergang vor
LA.
21:00 Nach 20 Minuten auf 2000m entlang
der Küstenlinie landen wir in San Diego. Es gibt drei
Kofferrückgabebänder. Alle fünf angekommenen Flüge werden auf
Band 1 ausgegeben... Ein sehr netter Taxi-Fahrer aus der ehemaligen
Sowjetunion fährt mich zum Hotel. Wir haben während der Fahrt einen
gigantischen Blick auf die fünf imposanten, gleichzeitig ablaufenden
Feuerwerke. Alle Straßen sind überfüllt mit feiernden Menschen. Es
gibt nette Häuser, Einbahnstraßen und Gehsteige. Sind nett aus!
21:30 Ich komme nicht in mein
Hotelzimmer. Nach dem fünften Versuch klopft es von innen „You are
at the wrong door!“ Oha! Ich habe |5|4 als 15/4 und nicht als 1514
gelesen. Jetzt scheitert es schon an den Zahldarstellungen...
23:00 Ich falle erschöpft ins Bett.
Donnerstag, 9. Mai 2013
Hochzeit in Albanien!
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. So simpel ist das. Wer sich nicht ins Flugzeug setzt, kann aber auch keine neuen Orte entdecken. Dann und wann muss ich eben über meinen Schatten springen und wenn es mir gelingt, besteht eine gute Chance, eine völlig neue Welt kennengelernt zu haben.
Und so bin ich meinem Freund Matthias sehr dankbar für den Tritt hinaus zur Tür (ok, die geduldige, mehrmalige, herzliche Einladung), der mich als Gast auf seine Hochzeit in Albanien geführt hat, ein Land, dass mich verblüfft hat und das ich sehr schätzen gelernt habe. In einer Liste der schönen Orte liegen Tirana und Shkodra jetzt ziemlich weit vorne bei mir ;)
Um es deutlich zu sagen: Los Angeles z.B. mochte ich WIRKLICH nicht - und ich war auch schon da! Ich will auch bestimmt kein generelles USA-Bashing betreiben - immerhin kenne ich sehr nette Menschen von dort und habe im Juli die Gelegenheit, in San Diego wieder einen anderen Ort kennenzulernen. So frei wie in Albanien habe ich mich aber nirgens in den USA auch nur annähernd gefühlt. In einem Land, das nur Privatbesitz kennt und diesen mit Waffen schützt, macht Raumaneignung keinen Spaß.
Ich will den eigentlichen Reisebericht kurz halten und eher die Bilder sprechen lassen, von denen wir in vier Tagen sagenhafte 518 geschossen haben - eine kleine Auswahl will ich nun im Folgenden kurz vorstellen.
Leider keine Bilder gibt es vom ruhigen Hinflug über die Schluchten des Balkan mit schneebedeckten Bergen, die im Sinkflug auf Tirana bald mediterranem Grün, Flüssen, Stauseen und sanft geschwungenen Stränden wichen. Der Flughafen Tirana gleicht eher einem Bahnhof mit zwei Gleisen. Es gibt gefühlt einen Standplatz für angekommene und einen Standplatz für abfliegende Flugzeuge.
Mit dem Shuttle-Bus ging es in die Stadt, vorbei an wild gewachsener Bebauung, die sich ineinander schachtelt. Keine Stadtplanung hemmt die seit dem Bürgerkrieg vor 15 Jahren laufende Hyperurbanisierung. Wo ein Grundstück frei ist, wird es bebaut. Erst seit Kurzem wird auf öffentlichen Grünflächen radikal gegen Kioske vorgegangen. Die Folge sind enge Gässchen, geringe Abstände zum Nebenhaus und abenteuerliche Konstruktionen, wenn ohne größere statische Berechnungen das Haus um ein Stockwerk erhöht wird. So muss es im 19. Jahrhundert unter dem Ansturm der Industriearbeiter auch in der mitteleuropäischen Stadt ausgesehen haben. Mitunter kommen jedoch auch solche Schmuckstücke heraus wie unser Hotel in der Studentenstadt (Qyteti Studenti), das für den Druck in der Wasserleitung auch nur ein Stockwerk zu hoch ist, so dass es nur etwas Geduld braucht, bis wieder Wasser kommt:
Gleich am ersten Abend noch haben wir unter Matthias' Führung einen benachbarten Hügel erklommen, wo alternder sozialistischer Beton um die Statue der "Mutter Albanien" der liebevollen Pflege des umgebenden Parks keinen Abbruch tut. Überhaupt ist den Einwohnern trotz der Dichte Grün in der Stadt sehr wichtig. Wo immer möglich sorgen Grünpflanzen, die täglich gewässert werden, für Frische und Verweilqualität. Hier der Blick auf die Stadt:
Am Vormittag des zweiten Tags ging es auf Stadtexkursion. Neben verschiedenen Gebäuden von öffentlichen Einrichtungen (Stadion, Uni, Ministerien, ...) sahen wir auch immer wieder den morbiden Charme der Überbleibsel der sozialistischen Diktatur wie diese Pyramide (wer genau hinschaut, sieht sie mich gerade erklimmen):
Aus Angst vor Aggression aus dem Ausland wurde Albanien im Sozialismus mit einem engmaschigen Netz von Bunkern überzogen - beinahe die ganze Bevölkerung hätte sich in einer Krise in diese zurückziehen können und die Waffe auf einrückende Armeen richten können. Einer dieser Bunker ist in Tirana als Monument aufbereitet:
Im "Block", dem Bereich Tiranas, der nur dem engsten Umfeld des Diktators zugänglich war, liegt die Villa von Enver Hoxha, der das Land bis 1985 kontrollierte:
Der Anteil an Lohnarbeit ist in Tirana außerhalb des öffentlichen Dienstes sicher gering. Die Arbeitslosigkeit ist aber nicht deren Gegenteil: irgendwo findet jeder zumindest ein bescheidenes Auskommen durch informellen Handel, informelle Produktion oder eine informelle Dienstleistung. Die Folge ist hier und da ein bisschen Wohlstand und solche basarartigen Gassen, in denen "Original" Bayern-Fanartikel verkauft werden.
Am Nachmittag fuhren wir mit der Seilbahn, die dank österreichsicher Expertise dort nach dem neuesten Stand der Technik aus dem Boden gestampft wurde, auf den Dajti, den Hausberg Tiranas:
Von dort hatten wir einen imposanten Weitblick:
Den Abend ließen wir in der Qyteti Studenti bei Lemon Soda und Raki ausklingen:
Am nächsten Tag stand eine Busexkursion auf dem Programm. Mit einem in Deutschland sicher schon vor 20 Jahren ausgemusterten Mercedes T1 fuhren wir zu dreizehnt(!) über die mittlerweile gut ausgebauten albanischen Straßen. Zwar brauchte der Oldie am Berg an einer Stelle eine kurze Verschnaufpause und etwas Kühlwasser (und der Fahrer kam nicht wirklich mit dem Fernlicht zurecht), brachte uns aber gut ans Ziel. Sicherheitsgurte waren freilich nicht zu erwarten - trotz offizieller Gurtpflicht wird belächelt, wer danach sucht. Anekdote: In einer Polizeikontrolle führte uns der Fahrer als Wahlbeobachter ein, was uns eine rasche Weiterfahrt garantierte:
In Kruja konnten wir einen Blick auf die typischen Begleiterscheinungen von geballtem Tourismus in einem Transformationsland erleben: Von allen Seiten werden beim Weg auf die Burg Andenken in Form von Schnaps, Textilien, Flöten und vielem mehr angereicht:
Top- und eigentlich einzige Sehenswürdigkeit, die dem Treiben zugrund liegt, ist die Skanderbeg-Burg, also die Burg des gleichnamigen albanischen Raubritters, der im 15. Jahrhundert die Osmanen zwei Jahrzehnte zum Narren und im Schach hielt. Die Stätte ist also eine Art Nationalheiligtum und überfüllt mit Schulklassen:
Hier unser ortskundiger Führer beim Erläutern der geographischen Sachverhalte:
In Shkodra, gleich an der Grenze zu Montenegro, wurden wir von einem Regenschauer überrascht, der aber die satt grüne Landschaft rund um die gigantische Ruine des bereits in der Antike besiedelten Festungshügels Rozafa nur umso imposanter erscheinen ließ:
In Shkodra selbst, einer christlichen Hochburg (in der der Islam, wie überall in Albanien in seiner gemäßigtem Form, aber allgegenwärtig ist), verbrachten wir den Abend in einer der ersten Fußgängerzonen Albaniens.
Am vierten Tag stand das Haupt-Event an: eine albanisch-deutsche Hochzeit! In der Kirche Don Bosco wurde die Ehe geschlossen.
Hier das Brautauto (unseres Wirts!) - das wir in den frühen Morgenstunden zusammen mit Matthias' Eltern liebevoll mit Blumen geschmückt hatten:
Das glückliche Brautpaar, auf dem Bild darunter mit Eltern:
Zurück im Hotel wurde bei albanischen Tänzen wild gefeiert - allerdings nur wenige Stunden. Nach dem Überreichen der Geschenke zieht sich die albanischen Familie traditionell zurück.
Das Anschneiden der Torte. Ja, ja, wer hat die Hand oben? ;)
Am nächsten Tag stand auch schon der Rückflug auf dem Programm - man soll ja leider aufhören, wenn's am schönsten ist. Der Schönheit gewaltiger Quellwolken, die ich zum ersten Mal in meinem Leben von oben gesehen habe, stand der Anblick von München bei Nacht im Landeanflug in nichts nach.
Kurz: Albanien, wir kommen wieder und alles Gute für das junge Ehepaar!!
Und so bin ich meinem Freund Matthias sehr dankbar für den Tritt hinaus zur Tür (ok, die geduldige, mehrmalige, herzliche Einladung), der mich als Gast auf seine Hochzeit in Albanien geführt hat, ein Land, dass mich verblüfft hat und das ich sehr schätzen gelernt habe. In einer Liste der schönen Orte liegen Tirana und Shkodra jetzt ziemlich weit vorne bei mir ;)
Um es deutlich zu sagen: Los Angeles z.B. mochte ich WIRKLICH nicht - und ich war auch schon da! Ich will auch bestimmt kein generelles USA-Bashing betreiben - immerhin kenne ich sehr nette Menschen von dort und habe im Juli die Gelegenheit, in San Diego wieder einen anderen Ort kennenzulernen. So frei wie in Albanien habe ich mich aber nirgens in den USA auch nur annähernd gefühlt. In einem Land, das nur Privatbesitz kennt und diesen mit Waffen schützt, macht Raumaneignung keinen Spaß.
Ich will den eigentlichen Reisebericht kurz halten und eher die Bilder sprechen lassen, von denen wir in vier Tagen sagenhafte 518 geschossen haben - eine kleine Auswahl will ich nun im Folgenden kurz vorstellen.
Leider keine Bilder gibt es vom ruhigen Hinflug über die Schluchten des Balkan mit schneebedeckten Bergen, die im Sinkflug auf Tirana bald mediterranem Grün, Flüssen, Stauseen und sanft geschwungenen Stränden wichen. Der Flughafen Tirana gleicht eher einem Bahnhof mit zwei Gleisen. Es gibt gefühlt einen Standplatz für angekommene und einen Standplatz für abfliegende Flugzeuge.
Mit dem Shuttle-Bus ging es in die Stadt, vorbei an wild gewachsener Bebauung, die sich ineinander schachtelt. Keine Stadtplanung hemmt die seit dem Bürgerkrieg vor 15 Jahren laufende Hyperurbanisierung. Wo ein Grundstück frei ist, wird es bebaut. Erst seit Kurzem wird auf öffentlichen Grünflächen radikal gegen Kioske vorgegangen. Die Folge sind enge Gässchen, geringe Abstände zum Nebenhaus und abenteuerliche Konstruktionen, wenn ohne größere statische Berechnungen das Haus um ein Stockwerk erhöht wird. So muss es im 19. Jahrhundert unter dem Ansturm der Industriearbeiter auch in der mitteleuropäischen Stadt ausgesehen haben. Mitunter kommen jedoch auch solche Schmuckstücke heraus wie unser Hotel in der Studentenstadt (Qyteti Studenti), das für den Druck in der Wasserleitung auch nur ein Stockwerk zu hoch ist, so dass es nur etwas Geduld braucht, bis wieder Wasser kommt:
Gleich am ersten Abend noch haben wir unter Matthias' Führung einen benachbarten Hügel erklommen, wo alternder sozialistischer Beton um die Statue der "Mutter Albanien" der liebevollen Pflege des umgebenden Parks keinen Abbruch tut. Überhaupt ist den Einwohnern trotz der Dichte Grün in der Stadt sehr wichtig. Wo immer möglich sorgen Grünpflanzen, die täglich gewässert werden, für Frische und Verweilqualität. Hier der Blick auf die Stadt:
Nach einem Abstecher in einen albanischen "Biergarten" mit Streichelzoo (neben Pfauen und Ziegen auch drei ausgewachsene Bären - Poldi lässt grüßen) fand die kleine Reisegruppe am Abend im Garten des Lion Parks zum ersten albanischen Abendessen zusammen - wirklich schmackhafte Pizza!
Am Vormittag des zweiten Tags ging es auf Stadtexkursion. Neben verschiedenen Gebäuden von öffentlichen Einrichtungen (Stadion, Uni, Ministerien, ...) sahen wir auch immer wieder den morbiden Charme der Überbleibsel der sozialistischen Diktatur wie diese Pyramide (wer genau hinschaut, sieht sie mich gerade erklimmen):
Aus Angst vor Aggression aus dem Ausland wurde Albanien im Sozialismus mit einem engmaschigen Netz von Bunkern überzogen - beinahe die ganze Bevölkerung hätte sich in einer Krise in diese zurückziehen können und die Waffe auf einrückende Armeen richten können. Einer dieser Bunker ist in Tirana als Monument aufbereitet:
Im "Block", dem Bereich Tiranas, der nur dem engsten Umfeld des Diktators zugänglich war, liegt die Villa von Enver Hoxha, der das Land bis 1985 kontrollierte:
Der Anteil an Lohnarbeit ist in Tirana außerhalb des öffentlichen Dienstes sicher gering. Die Arbeitslosigkeit ist aber nicht deren Gegenteil: irgendwo findet jeder zumindest ein bescheidenes Auskommen durch informellen Handel, informelle Produktion oder eine informelle Dienstleistung. Die Folge ist hier und da ein bisschen Wohlstand und solche basarartigen Gassen, in denen "Original" Bayern-Fanartikel verkauft werden.
Am Nachmittag fuhren wir mit der Seilbahn, die dank österreichsicher Expertise dort nach dem neuesten Stand der Technik aus dem Boden gestampft wurde, auf den Dajti, den Hausberg Tiranas:
Von dort hatten wir einen imposanten Weitblick:
Den Abend ließen wir in der Qyteti Studenti bei Lemon Soda und Raki ausklingen:
Am nächsten Tag stand eine Busexkursion auf dem Programm. Mit einem in Deutschland sicher schon vor 20 Jahren ausgemusterten Mercedes T1 fuhren wir zu dreizehnt(!) über die mittlerweile gut ausgebauten albanischen Straßen. Zwar brauchte der Oldie am Berg an einer Stelle eine kurze Verschnaufpause und etwas Kühlwasser (und der Fahrer kam nicht wirklich mit dem Fernlicht zurecht), brachte uns aber gut ans Ziel. Sicherheitsgurte waren freilich nicht zu erwarten - trotz offizieller Gurtpflicht wird belächelt, wer danach sucht. Anekdote: In einer Polizeikontrolle führte uns der Fahrer als Wahlbeobachter ein, was uns eine rasche Weiterfahrt garantierte:
In Kruja konnten wir einen Blick auf die typischen Begleiterscheinungen von geballtem Tourismus in einem Transformationsland erleben: Von allen Seiten werden beim Weg auf die Burg Andenken in Form von Schnaps, Textilien, Flöten und vielem mehr angereicht:
Top- und eigentlich einzige Sehenswürdigkeit, die dem Treiben zugrund liegt, ist die Skanderbeg-Burg, also die Burg des gleichnamigen albanischen Raubritters, der im 15. Jahrhundert die Osmanen zwei Jahrzehnte zum Narren und im Schach hielt. Die Stätte ist also eine Art Nationalheiligtum und überfüllt mit Schulklassen:
Hier unser ortskundiger Führer beim Erläutern der geographischen Sachverhalte:
In Shkodra, gleich an der Grenze zu Montenegro, wurden wir von einem Regenschauer überrascht, der aber die satt grüne Landschaft rund um die gigantische Ruine des bereits in der Antike besiedelten Festungshügels Rozafa nur umso imposanter erscheinen ließ:
In Shkodra selbst, einer christlichen Hochburg (in der der Islam, wie überall in Albanien in seiner gemäßigtem Form, aber allgegenwärtig ist), verbrachten wir den Abend in einer der ersten Fußgängerzonen Albaniens.
Am vierten Tag stand das Haupt-Event an: eine albanisch-deutsche Hochzeit! In der Kirche Don Bosco wurde die Ehe geschlossen.
Hier das Brautauto (unseres Wirts!) - das wir in den frühen Morgenstunden zusammen mit Matthias' Eltern liebevoll mit Blumen geschmückt hatten:
Das glückliche Brautpaar, auf dem Bild darunter mit Eltern:
Zurück im Hotel wurde bei albanischen Tänzen wild gefeiert - allerdings nur wenige Stunden. Nach dem Überreichen der Geschenke zieht sich die albanischen Familie traditionell zurück.
Das Anschneiden der Torte. Ja, ja, wer hat die Hand oben? ;)
Am nächsten Tag stand auch schon der Rückflug auf dem Programm - man soll ja leider aufhören, wenn's am schönsten ist. Der Schönheit gewaltiger Quellwolken, die ich zum ersten Mal in meinem Leben von oben gesehen habe, stand der Anblick von München bei Nacht im Landeanflug in nichts nach.
Kurz: Albanien, wir kommen wieder und alles Gute für das junge Ehepaar!!
Samstag, 6. April 2013
Kino um Ostern
Nachdem ich mich ja zuletzt schon als Kritiker für Bilder und Musik versucht habe (was ziemlich Spaß gemacht hat, mir aber auch zurecht Schelte von Kennern eingebracht hat) will ich mich heute ans Kino wagen, nachdem wir zuletzt zwei Filme gesehen haben, die mich schwer beeindruckt haben.
1) Die Puppe, ein deutscher Stummfilm von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1919. Ein Film, als das Kino gerade erst Laufen lernte, in der besuchten Aufführung untermalt vom Percussion-Ensemble unserer alten Schule, des KHG.
Der Neffe eines reichen Adeligen soll heiraten und flieht vor dem Ansturm der Bewerberinnen ins Kloster. Dort wird das bigotte Klosterleben in seiner Genusssucht karrikiert, bevor seine Mitbrüder im Wissen um die reichhaltige Mitgift ihn überreden, zum Schein eine Puppe zu ehelichen. Ein Puppenmacher, der geeignete Exemplare fertigt, die neben einem Lauf- und Gruß- auch über ein Tanzprogramm verfügen, ist rasch gefunden. Dessen Antagonist ist wiederum sein Lehrling, der flegelhaft und scharfzüngig die Familie seines Herrn in den Wahnsinn treibt. In Abwesenheit seines Lehrmeisters ruiniert er die Puppe, die dieser nach dem Abbild seiner Tochter gefertigt hat, nachhaltig. Dumm, dass genau diese Puppe der reiche Neffe zuvor ausgewählt hat. So entschließt sich die Tochter, anstelle der Puppe zu treten, bis der Lehrling das tatsächliche Exemplar repariert hat.
Das großartige an dem Film ist aus meiner Sicht, dass es zu dieser Zeit noch keine festen Genres gab, keine klare Trennung zwischen Zielgruppen und keine erprobten Kameraeinstellungen gibt. Alles bewegt sich zwischen Shakespears Wanderbühne, Theater und Tanz-Choreographie. Genial ist, wie die Kulissen von Anfang an als Konstruktion transparent gemacht werden - bis hin zu den Pferden, die definitiv von menschlichen Statisten gespielt werden und dies zum Ende hin dadurch kund tun, dass sie sprechen können. Großartig ist auch, wie sich der Fokus der Handlung mehrmals verschiebt - es gibt kein klares und langweiliges Setting, in dem nur Orte und Personen vorgestellt werden, die auch für die Handlung relevant sind. Einzig das Schloss des Onkels und das Kloster treten mehrfach auf. Nach einem bunten Tanzreigen offenbart sich erst zur Mitte des Films der - ebenso wie die Tochter wirklich brillant gespielte - Lehrling als wahrer Puk, der von da ab beinahe einen eigenen Handlungsstrang neben dem heiratsunwilligen Neffen erhält. In seiner Ursprünglichkeit beeindruckt, dass das Stück davon abgesehen völlig zeitlos ist.
2) Nachtzug nach Lissabon, ein aktueller Film nach einem Roman von Pascal Mercier.
Ein Lateinlehrer, der als Prototyp eines verkrachten und vereinsamten Intellektuellen eingeführt wird, zugleich ein wahrer Philanthrop, rettet früh morgens eine junge Frau, die von einer Brücke in den Tod springen will. Unschlüssig nimmt er sie zunächst mit in die Schule, wo sie aber bald aufspringt und aus dem Zimmer läuft. Zurück bleibt ihr Mantel, in dem sich neben einem Ticket nach Lissabon mit dem Nachtzug ein Bändchen mit Lebensweisheiten eines gewissen Amadeu de Prado findet. Inspiriert vom Büchlein und kurzenstschlossen macht sich der Lehrer auf den Weg, lässt sein bisheriges Leben hinter sich und fährt mit dem Ticket nach Lissabon. Dort erfährt er zwar, dass Amadeu de Prado zwar zwischenzeitlich verstorben ist, macht sich aber dessen ungeachtet sofort daran, dessen Leben und Wirken zur Zeit der portugiesischen Diktatur in den 1970er Jahren zu ergründen und Zeitzeugen zu befragen.
Gleich zu Beginn des Films sind es die Lebensweisheiten und klaren, schönen Worte, die begeistern. Natürlich ist die Reise nach Lissabon auch in diesem Fall nur Metapher für den Weg zu sich selbst und das Ringen um die richtige Entscheidung. Ich zitiere mal aus dem Kopf (die DVD kommt leider erst im September): "Was ist mit all den Leben, die wir fühlen, aber nicht leben können?", "Es kommen jedes Jahr neue Schüler, deswegen versuche ich, sie nicht zu sehr zu lieben!" und "Das Wesentliche im Leben sind Sehnsucht, Genuss und Sicherheit." Zugleich habe ich mich an Horns Ende erinnert gefühlt - die eigentliche Hauptperson ist tot, ihr Wirken und ihre Bedeutung jedoch noch nicht hinreichend gewürdigt und so beginnt eine detektivische Suche nach dem, was damals geschah, als Amadeu de Prado unter der humanistisch inspirierten Prämisse "Kein Mensch soll leiden!" eines Albert Schweitzer als Arzt im faschistischen Portugal wirkt und darüber zum Widerstand kommt.
Auf beinahe unheimlich merkwürdige Weise hat mich dieser Film in seinem Bann gezogen, indem er für mich philosophische Forschung mit Entscheidungstheorie unter beschränkter Zeit (Heideggers Sein zum Ende?) verknüpft, wie sie mein Chef erforscht. Wie sollen wir handeln? Wie sehr mich dieser Film als Mensch und Forscher betrifft, habe ich eben erst begriffen, als ich zum Autor des zugrunde liegenden Romans recherchiert habe. Peter Bierri, der unter dem Pseudonym Pascal Mercier literarisch publiziert, ist Schüler von Ernst Tugendhat, zu dem ich im Studium von meinen akademischen Lehrern einiges vermittelt bekommen habe, und hat dort zur Zeiterfahrung promoviert. Ein verblüffender Verweis auf meine eigene informatische Forschung zur touristischen Entscheidungsfindung unter beschränkten Zeitressourcen, findet sich insofern, als sich Bieri mit seiner Analytischen Philosophie des Geistes intensiv mit den Kognitionswissenschaften auseinandergesetzt hat und dennoch als Tugendhat-Schüler natürlich dessen Freiheitsbegriff weiterentwickelt hat. Deteminismus und Freiheit sind bei ihm kein Widerspruch. Ich staune noch immer und muss glaube ich in den nächsten Wochen einiges lesen, das ich in meinen eigenen Notizen nur als unvollendet finde...
Zurück zum Thema: zwei ganz klare Empfehlungen, sich diese Filme nicht entgehen zu lassen, wann immer Gelegenheit dazu besteht!
1) Die Puppe, ein deutscher Stummfilm von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1919. Ein Film, als das Kino gerade erst Laufen lernte, in der besuchten Aufführung untermalt vom Percussion-Ensemble unserer alten Schule, des KHG.
Der Neffe eines reichen Adeligen soll heiraten und flieht vor dem Ansturm der Bewerberinnen ins Kloster. Dort wird das bigotte Klosterleben in seiner Genusssucht karrikiert, bevor seine Mitbrüder im Wissen um die reichhaltige Mitgift ihn überreden, zum Schein eine Puppe zu ehelichen. Ein Puppenmacher, der geeignete Exemplare fertigt, die neben einem Lauf- und Gruß- auch über ein Tanzprogramm verfügen, ist rasch gefunden. Dessen Antagonist ist wiederum sein Lehrling, der flegelhaft und scharfzüngig die Familie seines Herrn in den Wahnsinn treibt. In Abwesenheit seines Lehrmeisters ruiniert er die Puppe, die dieser nach dem Abbild seiner Tochter gefertigt hat, nachhaltig. Dumm, dass genau diese Puppe der reiche Neffe zuvor ausgewählt hat. So entschließt sich die Tochter, anstelle der Puppe zu treten, bis der Lehrling das tatsächliche Exemplar repariert hat.
Das großartige an dem Film ist aus meiner Sicht, dass es zu dieser Zeit noch keine festen Genres gab, keine klare Trennung zwischen Zielgruppen und keine erprobten Kameraeinstellungen gibt. Alles bewegt sich zwischen Shakespears Wanderbühne, Theater und Tanz-Choreographie. Genial ist, wie die Kulissen von Anfang an als Konstruktion transparent gemacht werden - bis hin zu den Pferden, die definitiv von menschlichen Statisten gespielt werden und dies zum Ende hin dadurch kund tun, dass sie sprechen können. Großartig ist auch, wie sich der Fokus der Handlung mehrmals verschiebt - es gibt kein klares und langweiliges Setting, in dem nur Orte und Personen vorgestellt werden, die auch für die Handlung relevant sind. Einzig das Schloss des Onkels und das Kloster treten mehrfach auf. Nach einem bunten Tanzreigen offenbart sich erst zur Mitte des Films der - ebenso wie die Tochter wirklich brillant gespielte - Lehrling als wahrer Puk, der von da ab beinahe einen eigenen Handlungsstrang neben dem heiratsunwilligen Neffen erhält. In seiner Ursprünglichkeit beeindruckt, dass das Stück davon abgesehen völlig zeitlos ist.
2) Nachtzug nach Lissabon, ein aktueller Film nach einem Roman von Pascal Mercier.
Ein Lateinlehrer, der als Prototyp eines verkrachten und vereinsamten Intellektuellen eingeführt wird, zugleich ein wahrer Philanthrop, rettet früh morgens eine junge Frau, die von einer Brücke in den Tod springen will. Unschlüssig nimmt er sie zunächst mit in die Schule, wo sie aber bald aufspringt und aus dem Zimmer läuft. Zurück bleibt ihr Mantel, in dem sich neben einem Ticket nach Lissabon mit dem Nachtzug ein Bändchen mit Lebensweisheiten eines gewissen Amadeu de Prado findet. Inspiriert vom Büchlein und kurzenstschlossen macht sich der Lehrer auf den Weg, lässt sein bisheriges Leben hinter sich und fährt mit dem Ticket nach Lissabon. Dort erfährt er zwar, dass Amadeu de Prado zwar zwischenzeitlich verstorben ist, macht sich aber dessen ungeachtet sofort daran, dessen Leben und Wirken zur Zeit der portugiesischen Diktatur in den 1970er Jahren zu ergründen und Zeitzeugen zu befragen.
Gleich zu Beginn des Films sind es die Lebensweisheiten und klaren, schönen Worte, die begeistern. Natürlich ist die Reise nach Lissabon auch in diesem Fall nur Metapher für den Weg zu sich selbst und das Ringen um die richtige Entscheidung. Ich zitiere mal aus dem Kopf (die DVD kommt leider erst im September): "Was ist mit all den Leben, die wir fühlen, aber nicht leben können?", "Es kommen jedes Jahr neue Schüler, deswegen versuche ich, sie nicht zu sehr zu lieben!" und "Das Wesentliche im Leben sind Sehnsucht, Genuss und Sicherheit." Zugleich habe ich mich an Horns Ende erinnert gefühlt - die eigentliche Hauptperson ist tot, ihr Wirken und ihre Bedeutung jedoch noch nicht hinreichend gewürdigt und so beginnt eine detektivische Suche nach dem, was damals geschah, als Amadeu de Prado unter der humanistisch inspirierten Prämisse "Kein Mensch soll leiden!" eines Albert Schweitzer als Arzt im faschistischen Portugal wirkt und darüber zum Widerstand kommt.
Auf beinahe unheimlich merkwürdige Weise hat mich dieser Film in seinem Bann gezogen, indem er für mich philosophische Forschung mit Entscheidungstheorie unter beschränkter Zeit (Heideggers Sein zum Ende?) verknüpft, wie sie mein Chef erforscht. Wie sollen wir handeln? Wie sehr mich dieser Film als Mensch und Forscher betrifft, habe ich eben erst begriffen, als ich zum Autor des zugrunde liegenden Romans recherchiert habe. Peter Bierri, der unter dem Pseudonym Pascal Mercier literarisch publiziert, ist Schüler von Ernst Tugendhat, zu dem ich im Studium von meinen akademischen Lehrern einiges vermittelt bekommen habe, und hat dort zur Zeiterfahrung promoviert. Ein verblüffender Verweis auf meine eigene informatische Forschung zur touristischen Entscheidungsfindung unter beschränkten Zeitressourcen, findet sich insofern, als sich Bieri mit seiner Analytischen Philosophie des Geistes intensiv mit den Kognitionswissenschaften auseinandergesetzt hat und dennoch als Tugendhat-Schüler natürlich dessen Freiheitsbegriff weiterentwickelt hat. Deteminismus und Freiheit sind bei ihm kein Widerspruch. Ich staune noch immer und muss glaube ich in den nächsten Wochen einiges lesen, das ich in meinen eigenen Notizen nur als unvollendet finde...
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Sonntag, 3. Februar 2013
Macht? Macht nix!
Nachdem ich den Blog aufgrund einer fiesen Wintergrippe die letzten Wochen vernachlässigen musste, melde ich mich heute mal wieder mit einem kurzen Nachsatz zur Generation Y:
Das Schlüsselerlebnis ist diesmal ein längeres Gespräch mit einem Gleichaltrigen, der im Management einer größeren fränkischen Automobil- und Industriezulieferer arbeitet. Zunächst war ich beruhigt, so viele Parallelen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu sehen (es arbeiten halt überall Menschen) und dann hat mich doch wieder das Grauen gepackt (es arbeiten halt überall fiese Menschen). Ich wage mal einen Vergleich von hierarchischen Organisationsstrukturen mit
flachen, projektbezogenen:
- Parallelen: überall muss mittlerweile lebenslang gelernt und folglich gelehrt werden, überall gibt es Verantwortung für Personal, überall muss die Organisation durch Leistung getragen werden
- Klare Unterschiede gibt es zwischen sach- und projektbezogenen Strukturen und hierarchisch aufgebauten:
- Projekt: Der Projektleiter ist primus inter pares, spürt die Verantwortung für seine Schäfchen, ermutigt zu Eigenengagement und Kritik, schafft die Finanzierung ran, hält dem Team den Rücken frei und hat immer ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte (könnte alles, was das Team kann, selbst auch und hat daher den Respekt erworben und disziplinarische Macht nicht nötig). Karriere machen bedeutet, sich aufgrund qualitativ hochwertiger inhaltlicher Arbeit einen Namen gemacht zu haben.
- Hierarchie: Es gibt ein Mittleres Management zwischen sachbezogener Arbeit und den letztlich Entscheidugsbefugten, z.B. im Vorstand. Dort toben Verteilungskämpfe, in denen es an der Sache vorbei, mit volks- und betriebswirtschaftlichem Schaden und ohne Not nur um das eigene Vorwärtskommen geht. Erstaunlicherweise wird dieses System, das sehr an Nomic oder Junta erinnert, durch Geld belohnt: Wer sich durchsetzen kann, bekommt den nächsthöheren und noch besser bezahlten Job. Zum Machterhalt wird nach unten ein divide et impera-System etabliert, um das Wissen auf der Leitungsebene nicht allen Mitarbeitern zu offenbaren und somit nicht rechts überholt werden zu können. Die Arbeit wird dabei so geschickt auf die Mitarbeiter delegiert, dass Zeit für die eigentlichen Schachzüge bleibt: Auf derselben Hierarchieebene wird nämlich die Konfrontation gesucht: Zählt ohnehin meist nur die Anzahl der "Indianer", die man als "Häuptling" unter sich hat, wird darüber hinaus der Aushandlungsprozess in Sachfragen als Anlass genommen, um sich zu profilieren oder „Gegner“ als unqualifiziert dastehen zu lassen. Dazu werden Seilschaften und Bündnissysteme, durchaus auch mit protegierenden Personen auf höheren Leitungsebenen eingegangen, um im Zweifel die eigenen Ziele (ohne Anspruch auf die Optimalität der Lösung) durchfechten zu können. Wer zurückzieht, verliert nur einmal und kann sich nur durch Wechsel in eine andere, ähnliche Position an einem anderen Standort oder einem anderen Unternehmen rehabilitieren. Es geht nicht um Verantwortung, es geht nur um Macht. Karriere machen heißt also, unliebsame Mitspieler so auszuspielen, dass man unter hohem Einsatz von Arbeits- und Lebenszeit in eine Leitungsposition aufsteigt, die etwas entspannteres und gut dotiertes Arbeiten ohne Angst vor sofortiger Revolte ermöglicht.
·
Fazit: Mir schaudert. Da bleib
ich lieber Wissenschaftler (für die es im obigen System zumindest "unten", wo die inhaltliche Arbeit getan werden muss, reichlich Platz gibt): dem muss man gerade so viel zahlen, dass er nicht über Geld
nachdenken muss (weder bei einer anstehenden Kaufentscheidung, noch weil es ihm zu
viel wird) und sich in Ruhe seiner Forschung widmen kann.
Sonntag, 23. Dezember 2012
1400 km in sechs Tagen
Rechtzeitig vor Weihnachten ist es langsam Zeit, im Blog noch ein paar Türchen zu öffnen und sich wieder mit den Ideen der vergangenen Wochen zu Wort zu melden. Die letzten Tage waren dann doch eher gut gefüllt, nachdem ich letztes Wochenende in Dortmund auf Burg Husen noch die Nachwuchstagung Raumaneignung (die haben wir uns für das Folgejahr gleich nach Bamberg aufschwatzen lassen) besucht habe und letzten Mittwoch für ein paar Stunden nach Augsburg gefahren bin, um dort eines unserer Geogames zu begleiten.
Mit Kollegen an Bord und mangels geeigneter Anbindung an den nächsten Bahnhof der jeweiligen Locations bedeutete das bei Tauwetter, Schneefall, Regen und Dunkelheit 1400km, also ca. 10% meiner jährlichen Gesamtfahrleistung auf deutschen Autobahnen:
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Mit Kollegen an Bord und mangels geeigneter Anbindung an den nächsten Bahnhof der jeweiligen Locations bedeutete das bei Tauwetter, Schneefall, Regen und Dunkelheit 1400km, also ca. 10% meiner jährlichen Gesamtfahrleistung auf deutschen Autobahnen:
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Mittwoch, 28. November 2012
Generation Y
Weil mir zuletzt wieder verschiedentlich von Bewerbungsgesprächen im Bekanntenkreis (mit wechselndem Erfolg) berichtet wurde und ich mit einem alten Bekannten fünf Jahre nach unserem Berufseinstieg über Chefs und Mitarbeiter sinniert habe, wildere ich diesmal in für meine Verhältnisse recht betriebswirtschaftlichen Gefilden. Interessiert habe ich diese Woche beim Stöbern im Netz zur Kenntnis genommen, dass die Generation der nach 1980 geborenen Arbeitnehmer als Generation Y bei vielen Unternehmern für Verwirrung und Kopfzerbrechen sorge:
http://en.wikipedia.org/wiki/Generation_Y
http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/generation-y-audi-personalvorstand-thomas-sigi-im-interview-a-848764.html
http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/berufseinstieg-wie-firmen-die-manager-von-morgen-sehen-a-869420.html
Weil sie sich nichts aus Geld und Titeln machen, lassen sie sich weniger leicht ködern, haben Fremdsprachekenntnisse, können gar trefflich parlieren und haben kein Problem, vor vollem Haus das Wort zu ergreifen. Was den klassischen Unternehmensstrukturen mit 3-5 Etagen aus mittlerem Management gar nicht passt: sie haben kein Verständnis für Hierarchien und stellen private Belange mitunter über den beruflichen Erfolg; mitunter fehlen ihnen allerdings auch Kritikbereitschaft und Reflektionsvermögen.
Nachdem ich nun über die Jahre hinweg immerhin schon fast zwei Dutzend HiWis angeworben und begleitet habe (von denen ich mich vielen weit über die Arbeit hinaus freundschaftlich verbunden fühle), bin ich natürlich ins Grübeln gekommen, was für mich einen guten Mitarbeiter ausmacht bzw. worum ich mich selbst natürlich auch täglich bemühe. Ich habe es einmal auf eine tabellarische Darstellung gebracht, was mir in der heutigen Arbeitswelt wichtig scheint (auch wenn es natürlich stark auf den wissenschaftlichen Kontext fokussiert):
Die Spaltentitel in der Diagonalmatrix stehen dabei für die Grundeigenschaften, die Zeilen für ihre wechselseitige Anwendbarkeit aufeinander.
Greifen wir also zumindest noch die vier Felder der "alten" im Vergleich mit den "neuen" Tugenden heraus:
http://en.wikipedia.org/wiki/Generation_Y
http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/generation-y-audi-personalvorstand-thomas-sigi-im-interview-a-848764.html
http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/berufseinstieg-wie-firmen-die-manager-von-morgen-sehen-a-869420.html
Weil sie sich nichts aus Geld und Titeln machen, lassen sie sich weniger leicht ködern, haben Fremdsprachekenntnisse, können gar trefflich parlieren und haben kein Problem, vor vollem Haus das Wort zu ergreifen. Was den klassischen Unternehmensstrukturen mit 3-5 Etagen aus mittlerem Management gar nicht passt: sie haben kein Verständnis für Hierarchien und stellen private Belange mitunter über den beruflichen Erfolg; mitunter fehlen ihnen allerdings auch Kritikbereitschaft und Reflektionsvermögen.
Nachdem ich nun über die Jahre hinweg immerhin schon fast zwei Dutzend HiWis angeworben und begleitet habe (von denen ich mich vielen weit über die Arbeit hinaus freundschaftlich verbunden fühle), bin ich natürlich ins Grübeln gekommen, was für mich einen guten Mitarbeiter ausmacht bzw. worum ich mich selbst natürlich auch täglich bemühe. Ich habe es einmal auf eine tabellarische Darstellung gebracht, was mir in der heutigen Arbeitswelt wichtig scheint (auch wenn es natürlich stark auf den wissenschaftlichen Kontext fokussiert):
| bzgl. | Teamfähigkeit | Neugier | Auffassungsgabe | Hartnäckigkeit |
|---|---|---|---|---|
| Teamfähigkeit | soziale Kompetenz | Kontaktfreudigkeit | Emotionale Intelligenz | Netzwerkpflege |
| Neugier | Eigenmotivation | Problembewusstsein | richtiges Fragen | |
| Auffassungsgabe | Begabung | systematisches Lernen | ||
| Hartnäckigkeit | Fleiß |
Die Spaltentitel in der Diagonalmatrix stehen dabei für die Grundeigenschaften, die Zeilen für ihre wechselseitige Anwendbarkeit aufeinander.
- Teamfähigkeit: wer Ellenbogen ausfährt oder die Gruppe aufhält, kann heute nicht mehr weiterkommen
- Neugier: wer nicht in sich den Wunsch hat, auf Aufgaben und Menschen zuzugehen, kann wird von den immer kürzeren Entwicklungsspannen - gesellschaftlich wie technologisch - aussortiert.
- Auffassungsgabe: Ja, ja, die hat noch nie geschadet...
- Hartnäckigkeit: ... und auch die preußischen Tugenden sind mit dabei.
Greifen wir also zumindest noch die vier Felder der "alten" im Vergleich mit den "neuen" Tugenden heraus:
- Emotionale Intelligenz (Auffassungsgabe x Teamfähigkeit): quasi die soziale Auffassungsgabe: wie schnell kann ich bei meinem Gegenüber den richtigen Ton anschlagen und auf ihn eingehen?
- Netzwerkpflege (Hartnäckigkeit x Teamfähigkeit): die Fähigkeit, Kontakte auch von sich aus zu pflegen und auch mal längere Pausen nicht krumm zu nehmen - natürlich gepaart mit der Eigenschaft, sich nicht jeden zweiten zum Feind zu machen; wer aneckt, irritiert.
- Problembewusstsein (Auffassungsgabe x Neugier): Ein Gespür und auch eine Faszination für die Probleme zu empfinden, die gerade viele beschäftigen, hilft, die Fähigkeiten richtig auf das Wesentliche zu fokussieren.
- richtiges Fragen (Hartnäckigkeit x Neugier): Wer einen Trend setzen will, muss dieses Gespür auch nutzen können, um mittels der richtigen nächsten Frage immer einen Schritt voraus zu sein und zu antizipieren, wohin die Entwicklung wohl geht.
Donnerstag, 27. September 2012
Tornado in Bischberg?
Ganz so schlimm wie der Titel es vermuten lässt, hat es uns nicht getroffen - die typisch walzenartig nach unten wabernden Wolken einer Kaltfront, an deren Vorderseite die erwärmten Luftmassen des Tages nach oben gerissen werden und an deren Stelle kalte Luft strudelnd in die Tiefe stürzt, durften wir aber heute Abend von unserem Balkon aus live bewundern. Gespenstisch war, dass es bis zum Eintreffen der Wolkenfront absolut windstill war, obwohl man das nahende Unheil schon deutlich erkennen konnte. Links unten kann man noch vage den störungsfreien Sonnenhimmel erahnen, rechts der Wolkenfront sind schon die Fallstreifen der Hagelkörner zu sehen, die auf der Rückseite lauerten:
Nach wenigen Minuten sah es dann schon so aus (aus sicherer Distanz hinter der Scheibe):
Wenn die Situation Anfang Juli beim Verwüsten unseres Balkons auch nur ansatzweise so ähnlich aussah (es war ja dunkel...), wundert mich nichts mehr - immerhin war da die Luft bei maximalem Sonnenstand ja ohnehin schon ordentlich aufgeheizt und labil. Heute ist übrigens nichts passiert - wir sind ja lernfähig und haben vorher alles ordentlich aufgeräumt.
Dank übrigens an die Wetter-Warnmail des DWD (die ich gestern früh noch für die Warnung vor Nebel belächelt habe - es zogen lediglich ein paar Schwaden über den Main) - im Büro in Gedanken versunken über einer Präsentation hat sie mich dazu gebracht, mich nach einem prüfenden Blick auf das Niederschlagsradar gerade noch rechtzeitig auf's Fahrrad zu schwingen und trockenen Pedals nach Haus zu brausen, solange sich Blitze und Regen schon über Viereth austobten - und den Vortrag lieber daheim fertig zusammenzuklicken...
Nach wenigen Minuten sah es dann schon so aus (aus sicherer Distanz hinter der Scheibe):
Wenn die Situation Anfang Juli beim Verwüsten unseres Balkons auch nur ansatzweise so ähnlich aussah (es war ja dunkel...), wundert mich nichts mehr - immerhin war da die Luft bei maximalem Sonnenstand ja ohnehin schon ordentlich aufgeheizt und labil. Heute ist übrigens nichts passiert - wir sind ja lernfähig und haben vorher alles ordentlich aufgeräumt.
Dank übrigens an die Wetter-Warnmail des DWD (die ich gestern früh noch für die Warnung vor Nebel belächelt habe - es zogen lediglich ein paar Schwaden über den Main) - im Büro in Gedanken versunken über einer Präsentation hat sie mich dazu gebracht, mich nach einem prüfenden Blick auf das Niederschlagsradar gerade noch rechtzeitig auf's Fahrrad zu schwingen und trockenen Pedals nach Haus zu brausen, solange sich Blitze und Regen schon über Viereth austobten - und den Vortrag lieber daheim fertig zusammenzuklicken...
Dienstag, 18. September 2012
Reisen im August
Nach einem am Ende eher hektischen Sommersemester lohnt sich wieder eine kurze episodische Rückschau auf die Reisen des Sommers:
- Nach Untereuerheim: Zum Staunen über den liebevoll gepflegten High-Tech-Garten und zum DSA-Spielen im Hause Helbig. Da kommen wir immer gerne!
- Nach Wermerichshausen: Zum Kleinen Jonathan (und seinen Eltern und Großeltern), der gar nicht mehr sooo klein ist und einer Rückkehr zur tollsten Hängematte Unterfrankens.
- Dauerhaft in die ERBA: Zu einem etwas moderneren, wenngleich dunkleren neuen Büro.
- Nach Köln: Zum Internationalen Geographentag. Durchwachsenes Niveau der Sessions, ein buntes Völkchen und eine freundliche, aber echt funktional-hässliche Stadt. Wer baut schon eine vierspurige Straße neben einen Dom? Und: Kölsch ist kein Bier. Ich habe ihm jetzt oft genug eine Chance gegeben, um das nun abschließend beurteilen zu können.
- Nach Seeon (innerhalb von 12 Stunden aus Köln inkl. Aufenthalt in Bischberg nebst Vortragüberarbeitung): Ein kleiner, aber feiner internationaler Workshop zu Place Reserach, auf dem ein paar Große der Zunft ganz nah erlebt werden konnten und ein Spaziergang mit Peter um den verregneten See am Kloster.
- Nach Berlin zu Dagmar: Nur zum Besuch des Zoos waren wir im "Westen". Die alte Stalinallee (jetzt: Karl-Marx-Allee), der Alex und der Hackesche Markt waren dazu einfach zu schön. Und Potsdam liegt nicht wirklich in Westberlin. Unglaublich bunt und vielfältig: da fällt Köln einfach merklich ab.
- Wieder mal nach Graisbach zu Melanie und Jochen: Hanfparty. Natürlich nur Thermo-Hanf zum Isolieren des Dachs im Neubau. Ein gelungenes DJK-Feature, glaube ich!
- Nach Untereuerheim: Zum Staunen über den liebevoll gepflegten High-Tech-Garten und zum DSA-Spielen im Hause Helbig. Da kommen wir immer gerne!
- Nach Wermerichshausen: Zum Kleinen Jonathan (und seinen Eltern und Großeltern), der gar nicht mehr sooo klein ist und einer Rückkehr zur tollsten Hängematte Unterfrankens.
- Dauerhaft in die ERBA: Zu einem etwas moderneren, wenngleich dunkleren neuen Büro.
- Nach Köln: Zum Internationalen Geographentag. Durchwachsenes Niveau der Sessions, ein buntes Völkchen und eine freundliche, aber echt funktional-hässliche Stadt. Wer baut schon eine vierspurige Straße neben einen Dom? Und: Kölsch ist kein Bier. Ich habe ihm jetzt oft genug eine Chance gegeben, um das nun abschließend beurteilen zu können.
- Nach Seeon (innerhalb von 12 Stunden aus Köln inkl. Aufenthalt in Bischberg nebst Vortragüberarbeitung): Ein kleiner, aber feiner internationaler Workshop zu Place Reserach, auf dem ein paar Große der Zunft ganz nah erlebt werden konnten und ein Spaziergang mit Peter um den verregneten See am Kloster.
- Nach Berlin zu Dagmar: Nur zum Besuch des Zoos waren wir im "Westen". Die alte Stalinallee (jetzt: Karl-Marx-Allee), der Alex und der Hackesche Markt waren dazu einfach zu schön. Und Potsdam liegt nicht wirklich in Westberlin. Unglaublich bunt und vielfältig: da fällt Köln einfach merklich ab.
- Wieder mal nach Graisbach zu Melanie und Jochen: Hanfparty. Natürlich nur Thermo-Hanf zum Isolieren des Dachs im Neubau. Ein gelungenes DJK-Feature, glaube ich!
Freitag, 4. Mai 2012
Reisen im April
Nachdem wir im April mal wieder ordentlich unterwegs waren, frage ich mich, ob meine Profession doch etwas mit Reisen zu tun haben sollte. Fassen wir ausnahmsweise daher so etwas wie Reiseberichte zusammen:
- Südtirol. Schlüsselerlebnis war sicherlich nach einer kurvenreichen Anfahrt ins Martelltal der vereiste See auf 2000m Höhe und am nächsten Tag Schloss Trauttmansdorff in Meran mit einem wahren Blütenmeer. Der Sissi-Weg durch Meran ist sicherlich ein leuchtendes Beispiel dafür, wie man Wandern in der Stadt gestalten kann.
- Berlin. Eigentlich nur als Umzugshelfer und doch ein Erlebnis. Schlüsselerlebnis sicher der Blick mit dem Umzugslaster vom Potsdamer Platz die sechsspurige Magistrale zum Alexanderplatz entlang. Und die Tatsache, dass ein Bauarbeiter und ein Luft- und Raumfahrtingenieur einen vergeistigten Informatiker brauchen, um ein IKEA-Lattenrost korrekt zusammenzusetzen...
- Rain am Lech. Eigentlich nur um in Jochens Geburtstag zu feiern. Daneben aber auch die Besichtigung eines Baubeginns stolzer Bauherren. Schlüsselerlebnis sicherlich das Aufbauen einer Hollywoodschaukel in der letzten Stunde vor Mitternacht.
- Pegnitz. Eigenlich ein Junggesellenabschied im Kanu mit Bier im Schlepptau. Und doch die augenzwinkernde Erkenntnis, dass Akedemiker eines gewissen Alters nur noch so tun können, als wären sie gewöhnliche junge Männer. Schlüsselerlebnis sicher das gemeinsame Fußballspiel bei der Mittagsrast und der Sonnenuntergang auf der Heimfahrt hinter den Bergen der Fränkischen Schweiz.
- Erlangen. Zwei Stunden Autofahrt für eine Stunde Vortrag. Schlüsselerlebnis sicher die Erkenntnis, dass das Bedrückende an Arbeitslosigkeit das Zusammenbrechen der alltäglichen raumzeitlichen Routinen ist und dass auch andere Sozialgeographen langsam auf die Idee kommen, die Kombination aus Bewegungsspuren und Leitfadeninterviews für ein tieferes Verständnis von Alltag heranzuziehen.
- Bamberg. Eigentlich keine Reise und doch Besucher auf der eigenen Landesgartenschau. Eigentlich ein Erlebnispark und keine Gartenschau und doch sicher einen weiteren Besuch wert. Schlüsselerlebnis sicher das Planschen am Fischpass.
- Bamberg. Diesmal Zielort der Reise für Gäste aus Albanien: Hochzeit im Hause Bickert! Schlüsselerlebnisse sicher das (teilweise misslungene) Brauen von Curacao-Wackelpudding als Versteck für das Geldgeschenk und das Fußballspiel Uni Bamberg vs. Uni Tirana als Abschluss eines gleichzeitig feierlichen und doch herrlich entspannten Tages.
- Bischberg. Sicher keine Reise und doch immer mehr Ort der Begegnung. Schlüsselerlebnisse sicher das gemeinsame Pflanzen von Blumen und Nutzpflanzen auf dem Balkon mit der Familie und das Betrachten schöner Indienbilder von Vroni und Moritz beim letzten Tageslicht.
- Südtirol. Schlüsselerlebnis war sicherlich nach einer kurvenreichen Anfahrt ins Martelltal der vereiste See auf 2000m Höhe und am nächsten Tag Schloss Trauttmansdorff in Meran mit einem wahren Blütenmeer. Der Sissi-Weg durch Meran ist sicherlich ein leuchtendes Beispiel dafür, wie man Wandern in der Stadt gestalten kann.
- Berlin. Eigentlich nur als Umzugshelfer und doch ein Erlebnis. Schlüsselerlebnis sicher der Blick mit dem Umzugslaster vom Potsdamer Platz die sechsspurige Magistrale zum Alexanderplatz entlang. Und die Tatsache, dass ein Bauarbeiter und ein Luft- und Raumfahrtingenieur einen vergeistigten Informatiker brauchen, um ein IKEA-Lattenrost korrekt zusammenzusetzen...
- Rain am Lech. Eigentlich nur um in Jochens Geburtstag zu feiern. Daneben aber auch die Besichtigung eines Baubeginns stolzer Bauherren. Schlüsselerlebnis sicherlich das Aufbauen einer Hollywoodschaukel in der letzten Stunde vor Mitternacht.
- Pegnitz. Eigenlich ein Junggesellenabschied im Kanu mit Bier im Schlepptau. Und doch die augenzwinkernde Erkenntnis, dass Akedemiker eines gewissen Alters nur noch so tun können, als wären sie gewöhnliche junge Männer. Schlüsselerlebnis sicher das gemeinsame Fußballspiel bei der Mittagsrast und der Sonnenuntergang auf der Heimfahrt hinter den Bergen der Fränkischen Schweiz.
- Erlangen. Zwei Stunden Autofahrt für eine Stunde Vortrag. Schlüsselerlebnis sicher die Erkenntnis, dass das Bedrückende an Arbeitslosigkeit das Zusammenbrechen der alltäglichen raumzeitlichen Routinen ist und dass auch andere Sozialgeographen langsam auf die Idee kommen, die Kombination aus Bewegungsspuren und Leitfadeninterviews für ein tieferes Verständnis von Alltag heranzuziehen.
- Bamberg. Eigentlich keine Reise und doch Besucher auf der eigenen Landesgartenschau. Eigentlich ein Erlebnispark und keine Gartenschau und doch sicher einen weiteren Besuch wert. Schlüsselerlebnis sicher das Planschen am Fischpass.
- Bamberg. Diesmal Zielort der Reise für Gäste aus Albanien: Hochzeit im Hause Bickert! Schlüsselerlebnisse sicher das (teilweise misslungene) Brauen von Curacao-Wackelpudding als Versteck für das Geldgeschenk und das Fußballspiel Uni Bamberg vs. Uni Tirana als Abschluss eines gleichzeitig feierlichen und doch herrlich entspannten Tages.
- Bischberg. Sicher keine Reise und doch immer mehr Ort der Begegnung. Schlüsselerlebnisse sicher das gemeinsame Pflanzen von Blumen und Nutzpflanzen auf dem Balkon mit der Familie und das Betrachten schöner Indienbilder von Vroni und Moritz beim letzten Tageslicht.
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