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Montag, 7. April 2014
Die Idee eines nachhaltigen Hedonimsus
Samstag, 6. April 2013
Kino um Ostern
1) Die Puppe, ein deutscher Stummfilm von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1919. Ein Film, als das Kino gerade erst Laufen lernte, in der besuchten Aufführung untermalt vom Percussion-Ensemble unserer alten Schule, des KHG.
Der Neffe eines reichen Adeligen soll heiraten und flieht vor dem Ansturm der Bewerberinnen ins Kloster. Dort wird das bigotte Klosterleben in seiner Genusssucht karrikiert, bevor seine Mitbrüder im Wissen um die reichhaltige Mitgift ihn überreden, zum Schein eine Puppe zu ehelichen. Ein Puppenmacher, der geeignete Exemplare fertigt, die neben einem Lauf- und Gruß- auch über ein Tanzprogramm verfügen, ist rasch gefunden. Dessen Antagonist ist wiederum sein Lehrling, der flegelhaft und scharfzüngig die Familie seines Herrn in den Wahnsinn treibt. In Abwesenheit seines Lehrmeisters ruiniert er die Puppe, die dieser nach dem Abbild seiner Tochter gefertigt hat, nachhaltig. Dumm, dass genau diese Puppe der reiche Neffe zuvor ausgewählt hat. So entschließt sich die Tochter, anstelle der Puppe zu treten, bis der Lehrling das tatsächliche Exemplar repariert hat.
Das großartige an dem Film ist aus meiner Sicht, dass es zu dieser Zeit noch keine festen Genres gab, keine klare Trennung zwischen Zielgruppen und keine erprobten Kameraeinstellungen gibt. Alles bewegt sich zwischen Shakespears Wanderbühne, Theater und Tanz-Choreographie. Genial ist, wie die Kulissen von Anfang an als Konstruktion transparent gemacht werden - bis hin zu den Pferden, die definitiv von menschlichen Statisten gespielt werden und dies zum Ende hin dadurch kund tun, dass sie sprechen können. Großartig ist auch, wie sich der Fokus der Handlung mehrmals verschiebt - es gibt kein klares und langweiliges Setting, in dem nur Orte und Personen vorgestellt werden, die auch für die Handlung relevant sind. Einzig das Schloss des Onkels und das Kloster treten mehrfach auf. Nach einem bunten Tanzreigen offenbart sich erst zur Mitte des Films der - ebenso wie die Tochter wirklich brillant gespielte - Lehrling als wahrer Puk, der von da ab beinahe einen eigenen Handlungsstrang neben dem heiratsunwilligen Neffen erhält. In seiner Ursprünglichkeit beeindruckt, dass das Stück davon abgesehen völlig zeitlos ist.
2) Nachtzug nach Lissabon, ein aktueller Film nach einem Roman von Pascal Mercier.
Ein Lateinlehrer, der als Prototyp eines verkrachten und vereinsamten Intellektuellen eingeführt wird, zugleich ein wahrer Philanthrop, rettet früh morgens eine junge Frau, die von einer Brücke in den Tod springen will. Unschlüssig nimmt er sie zunächst mit in die Schule, wo sie aber bald aufspringt und aus dem Zimmer läuft. Zurück bleibt ihr Mantel, in dem sich neben einem Ticket nach Lissabon mit dem Nachtzug ein Bändchen mit Lebensweisheiten eines gewissen Amadeu de Prado findet. Inspiriert vom Büchlein und kurzenstschlossen macht sich der Lehrer auf den Weg, lässt sein bisheriges Leben hinter sich und fährt mit dem Ticket nach Lissabon. Dort erfährt er zwar, dass Amadeu de Prado zwar zwischenzeitlich verstorben ist, macht sich aber dessen ungeachtet sofort daran, dessen Leben und Wirken zur Zeit der portugiesischen Diktatur in den 1970er Jahren zu ergründen und Zeitzeugen zu befragen.
Gleich zu Beginn des Films sind es die Lebensweisheiten und klaren, schönen Worte, die begeistern. Natürlich ist die Reise nach Lissabon auch in diesem Fall nur Metapher für den Weg zu sich selbst und das Ringen um die richtige Entscheidung. Ich zitiere mal aus dem Kopf (die DVD kommt leider erst im September): "Was ist mit all den Leben, die wir fühlen, aber nicht leben können?", "Es kommen jedes Jahr neue Schüler, deswegen versuche ich, sie nicht zu sehr zu lieben!" und "Das Wesentliche im Leben sind Sehnsucht, Genuss und Sicherheit." Zugleich habe ich mich an Horns Ende erinnert gefühlt - die eigentliche Hauptperson ist tot, ihr Wirken und ihre Bedeutung jedoch noch nicht hinreichend gewürdigt und so beginnt eine detektivische Suche nach dem, was damals geschah, als Amadeu de Prado unter der humanistisch inspirierten Prämisse "Kein Mensch soll leiden!" eines Albert Schweitzer als Arzt im faschistischen Portugal wirkt und darüber zum Widerstand kommt.
Auf beinahe unheimlich merkwürdige Weise hat mich dieser Film in seinem Bann gezogen, indem er für mich philosophische Forschung mit Entscheidungstheorie unter beschränkter Zeit (Heideggers Sein zum Ende?) verknüpft, wie sie mein Chef erforscht. Wie sollen wir handeln? Wie sehr mich dieser Film als Mensch und Forscher betrifft, habe ich eben erst begriffen, als ich zum Autor des zugrunde liegenden Romans recherchiert habe. Peter Bierri, der unter dem Pseudonym Pascal Mercier literarisch publiziert, ist Schüler von Ernst Tugendhat, zu dem ich im Studium von meinen akademischen Lehrern einiges vermittelt bekommen habe, und hat dort zur Zeiterfahrung promoviert. Ein verblüffender Verweis auf meine eigene informatische Forschung zur touristischen Entscheidungsfindung unter beschränkten Zeitressourcen, findet sich insofern, als sich Bieri mit seiner Analytischen Philosophie des Geistes intensiv mit den Kognitionswissenschaften auseinandergesetzt hat und dennoch als Tugendhat-Schüler natürlich dessen Freiheitsbegriff weiterentwickelt hat. Deteminismus und Freiheit sind bei ihm kein Widerspruch. Ich staune noch immer und muss glaube ich in den nächsten Wochen einiges lesen, das ich in meinen eigenen Notizen nur als unvollendet finde...
Zurück zum Thema: zwei ganz klare Empfehlungen, sich diese Filme nicht entgehen zu lassen, wann immer Gelegenheit dazu besteht!
Donnerstag, 1. November 2012
Lebenszyklus des Wandels
Da mir Wissenschaft trotz allem schon zur Gewohnheit geworden ist, will ich zunächst sammeln, was ich über Veränderung weiß. Da wäre zunächst das allwissende "panta rhei" der Vorsokratiker, die Physik des Aristoteles, in der Bewegung eine Form von Veränderung ist. Bereits hier findet sich eine Art einfacher Lebenszyklus vom Werden über eine aspektuelle Veränderung hin zum Vergehen (nehmen wir die Kategorienschrift hinzu, also vom ersten Zutreffen eines protoypisch gedachten Klimaxbegriffs an einem Gegenstand bis zu seinem letzten). Halten wir auch fest, dass es ohne ein Ablaufen von Zeit keine Veränderung geben kann und dass es, nehmen wir Augustinus hinzu ("In dir, mein Geist, messe ich die Zeit") ohne Erinnerung keine Beobachtung von Veränderung geben kann. Vermissen (Das Fehlen eines Vergangenen) und Sehnen (das Fehlen eines als zukünftig Antizipierten) werden als menschliche Grundstrebungen erst dadurch aufgespannt und dadurch die Suche nach dem Augenblick, nach dem Teilhaben an dem exakt erstrebten Maß an Veränderung (bis hin zum Flow oder der perfekten Welle, bei der die eigene Veränderung mit der Veränderung der Umwelt im Einklang steht). Und weil der Mensch Werkzeuge bedienen kann, ergeben sich zwei Möglichkeiten der Transformation, um Einklang zu erreichen. Entweder muss die Umwelt angepasst werden - durch Ortsbewegung, Veränderung des sozialen Umfelds oder des Arbeitsplatzes - das ist aber meist teuer (nicht notwendig monetär, aber zumindest (zeit-)aufwändig). Einfacher scheint die im Wortsinn patiente Lösung: Das richtige Mittel verändert meinen Körper, wenn nicht mich so, dass ich in meiner Umwelt aufgehe. Alkohol holt mich in den (nicht-erinnerten?) Augenblick, Kaffe macht mich konzentriert und munter, die Zigarette schafft als Routine des Alltags Sicherheit, Musik im Ohr schafft ein Ensemble aus Herzschlag und Gesang, das notwendige Wege überbrückt und die Schlaftablette lässt mich zur gewünschten Zeit einschlafen. Ich entferne mich langsam vom Kernthema, nur noch so viel: Es ist fraglich, wie viel davon tatsächlicher Mangel an Augenblick ist, der evtl. gar nicht durch das Werkzeug, sondern durch die Suggestion seiner Wirkung erreicht wird und wie viel davon ein allzu exakt getakteter Alltag ist - wie heißt das afrikanische Sprichwort? Ihr habt die Uhren, wir haben (die) Zeit.
Zurück zum Vorverständnis: zuletzt habe ich einiges über die kognitiven Grundlagen von Veränderung gelernt - eher beiläufig im Gespräch auf einer Fachtagung. Ich habe gelernt, dass die Gegenwart ca. 3 Sekunden dauert - das ist die Zeit, die das sensorische Echo unserer Sinne in unserem Geist (so übersetze ich als Humanist dem funktional-materiellen Kontext zum Trotz noch immer am liebsten den Gegenstand der philosophy of mind - den Unterschied zwischen Leib/Seele und body/mind als Sprachwandel in einem kulturgeschichtlichen Kontext zu untersuchen ist sicher irgendwo erforscht) nachhallt und zu einem Augenblick zusammerückt. Das Echo ist es wohl, das Aristoteles zu der zutreffenden Beobachtung kommen ließ, eine Bewegung und eine Veränderung ließen sich nur an Referenzgegenständen festmachen, z.B. indem die Sonne oder ein Ball im Flug die qualitative räumliche Konfiguration mit der Landschaft ändert (links vom Baum, über dem Baum, rechts vom Baum). Notfalls müssen wir solche Referenzen eben selbst schaffen, was mit einem Bleistiftstrich des Schattenwurfs oder einem Beweisfoto heute ja rasch geht. Ich habe zudem gelernt, und das führt uns zum spannenden Teil der Bewertung von Veränderung, dass dem durch die kognitven Notwendigkeit von Begriffen ("etwas an etwas (gedanklich") festhalten") bedingten Beharren eines kognitven Modells die simple Gewöhnung entgegenwirkt. Erst scheint uns das Neue sonderbar (absondernswert), dann bemerkenswert und schließlich sogar vertraut (verwendenswert). Mir wurde von Beispielen in der Mode berichtet, nach denen bestimmte Formen, die zunächst als abstoßend und hässlich empfunden wurden, bei kontinuierlicher Wiedervorlage immer milder und schließlich positiv beurteilt wurden. Spannend auch, dass das Vertraute schnell ins Gewöhnliche abgleitet und abgelegt wird, wenn einer positiven Irritation die nächste Vertrautheit folgt. Ganz ähnlich zu den Lebenszyklusmodellen in der Standorttheorie, nach denen nur ein unverbrauchter Ort leicht Träger einer neuen Funktion werden kann ist es wiederum teuer im Sinne von aufwändig, den Träger einer Vertrautheit (seien es Produkte wie ein Auto oder ein PC oder auch persönliche Beziehungen) durch das Setzen von neuen Irritationen immer wieder in den Raum des Bemerkenswerten zurückzuholen. Nur als Anekdote: In Zentraleuropa ist es viel wichtiger, dass ein Nachfolgemodell eines Autos Familienähnlichkeiten mit seinem Vorgänger aufweist als z.B. in Japan.
Es hängt also (wie immer) von einer bestimmten Sozialisierung und der konkreten Person ab, welcher Grad an Veränderung (anregende Irritation) und welcher Grad an Vertrautheit (wohltuende Kongruenz) nötig ist, um durch Interferenz verschiedener Lebenszykluswellen die eigene perfekte Welle aufzuspannen, in der die Kongruenz des eigenen Daseins in dichtender Kunst und Gesang auf so vielfältige Weise formuliert wird. Als Informatiker bin ich versucht, diese Eigenschaft einer Person als erwünschte Veränderlichkeit a [0..1] bezüglich eines Lebensbereichs definieren zu wollen (wobei 1-a der Wunsch nach Wiederholung, nach dem gleichbleibenden Verharren wäre). Das Abweichen von der wahrgenommenen Veränderung in den jeweiligen Lebensbereichen bestimmt dann z.B. über Chi-Quadrat oder schlicht das Residuum das Aufgehen oder aben Nicht-Aufgehen, das Ankommen im Augenblick oder das Fremdbleiben.
Ein philosophischer Aufsatz, den ich einst im Grundstudium gelesen habe, stellte die These auf, die Wahrnehmung (Illusion?) von Ewigkeit liege nicht in der Zeitlosigkeit, sondern in der erlebten Transzendenz des Augenblicks, wenn wir uns ein Musikstück oder Film im innersten berührt, wenn in einem Gespräch mit einer geliebten Person die Welt um uns versinkt und eine Oase der Geborgenheit schafft. Wäre mein Modell der Veränderlichkeit, der Distanz zur Welt vor diesem Hintergrund ein einfaches Modell des Glücks?
Freitag, 17. Februar 2012
Sein oder nicht sein
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/nummereins/1647/nummer-eins-der-reue/
Sollte der deutsche Websphären-Bewohner nur noch zu Shitstorms und zu keinen tiefer gehenden Gedanken mehr fähig sein?
Ungeachtet der allgemeinen Aporie möchte ich mich hier an einem Standpunkt versuchen:
Fünf unerfüllbare Wünsche an die Vergangenheit hat sie besonders häufig gehört:
Die methodische Frage nach der Gefahr eines qualitativen Erfahrungswertes drängt sich zunächst natürlich für einen Wahrnehmungsforscher auf: Wird das generalisiert, was man selbst sucht? Zustimmungswürdig sind die Aussagen in der Tat alle – und seien wir ehrlich: Das fragen wir uns auch so, nur sind wir nicht täglich ins Nicht-Sein gehalten (und so auf die Essenz des Seins reduziert) wie als Sterbender. Bei einer hohen Zustimmungswürfigkeit muss es ein vermittelndes Element geben, das uns alle verbindet. Zweierlei möchte ich anmerken, ohne die Suche nach der Eudaimonia als solche zu diskutieren. Es darf vermutet werden, dass ein Grund darin liegt, dass wir unsere Zukunft für planbar und beherrschbar halten und dadurch immer „es ist ja noch Zeit“ denken, solange es und körperlich gut geht. Ein anderes sind sicher die gesellschaftlichen Diskurse, die unseren Entfaltungsspielraum mehr einschränken als wir überhaupt glauben.
1. Ich wünschte, ich hätte den Mut aufgebracht, ein Leben getreu mir selbst zu führen – anstatt eines, das andere von mir erwarteten.
Das ist nicht neu und eigentlich schon der Kern der Problematik: Secundum naturam vivere ist einer der zentralen und in seiner Dynamik aktuellsten Leitsprüche der antiken Philosophie. Mein Wesentliches Ich-Sein immer neu zu entfalten. Schwierig dabei: Was meine Natur ist, kann ich nicht wissen. Handeln ist immer Handeln unter Unsicherheit. Ich kann zum einen gar nicht wissen, wie zu handeln jetzt in diesem Moment ganz und gar meinem Ich-Sein entspricht. Handle ich zu schnell, muss ich damit rechnen, meiner „Natur“ im Affekt langfristig und unwiederbringlich widersprochen zu haben. („Ach hätte ich doch damals nur nicht!“). Denke ich zu lange nach, ist der Moment zu handeln selbst, unwiederbringlich verloren („Ach hätte ich damals doch!“). Zusätzlich helfen auch einmal an sich selbst erkannte Prinzipien (z.B. durch Überlegen: „Nach welchen Situationen habe ich mich mit mir selbst im Einklang gefühlt.“) nichts, wenn sich meine Wünsche über die Zeit ändern. Zudem: Rücksicht auf andere zu nehmen ist sicher eine Tugend, keine Barriere auf dem Weg zum Seelenheil. Insofern die volle Entfaltung meiner Natur diejenige der anderen beschränkt, geht es nicht an, mich über sie zu stellen. Anders formuliert: Zu gewinnen, ist im Spiel des Lebens kein Kriterium und ich denke, jeder Sterbende ist sich darüber im Klaren. Spielregeln reduzieren die Komplexität der Ziele auf einen Aspekt: Geld, Macht, Ruhm, Anerkennung. Unsere Natur bildet keiner davon ab. Letztlich wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als hier zu lächeln und dort die Ästhetik des Unvollendeten zurückzulassen.
2. Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.
Hier kommen wir der Sache näher: Die Ergänzung lautet: Für andere! Ohne jetzt einem naiven Marxismus das Wort reden zu wollen geht es doch wesentlich um die Unterscheidung von Job und Berufung. Arbeite ich nur, um Geld zu verdienen, muss ich die restliche Zeit gut nutzen, um die Dinge zu erledigen, die mir wirklich wichtig sind. Neudeutsch: Life-work-balance. Wohl dem, der einen Beruf ausüben darf und kann, der seiner Berufung am nächsten kommt; er wird es nicht bereuen. Wichtigste Erkenntnis: Zeit ist kostbarer als Geld.
3. Ich wünschte, ich hätte den Mut aufgebracht, meine Gefühle zu zeigen.
Die Frage lautet: wem? Die Unterscheidung: welche Art von Gefühle? Positive Gefühle nicht kundzutun, aus Angst vor Verletzlichkeit, ist eine der Möglichkeiten, Momente zu handeln unwiederbringlich zu verlieren. Negative Gefühle nicht kundzutun, aus Rücksicht oder Angst vor Folgen, wird eine sich wiederholende Ursache nicht beseitigen. Die doppelte Nennung der Angst vor den Konsequenzen der eigenen Gefühle erklärt natürlich auch, warum schlussendlich Mut nötig ist, einen Sprung ins Handeln zu tun. Ich kann nur Erasmus von Rotterdam zirieren:
Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit.
4. Ich wünschte, ich wäre mit meinen Freunden in Kontakt geblieben.
Gnothi seauton statt Pflichterfüllung, Zeit statt Geld haben und Verrücktheit wagen. Es ist fast folgerichtig, dass, wenn es nach Adam Smith eine der grundlegendsten Charakteristika menschlichen Daseins ist, am Leben anderer Menschen Anteil zu nehmen, und sei es, das wir keinen anderen Vorteil daraus ziehen als das Vergnügen, Zeuge davon zu sein, das die Kunst, die Gabe, der sich selbst treuen Verrücktheit, des positiven Wandels, des Aufbruchs in eine neue Zeit immer nur auf Gespräche zurückführen sind, die wir mit Menschen führen, die wir uns vertraut gemacht haben, die uns aber fern genug sind, das sie uns immer wieder neu begeistern, anregen und verändern können. Es ist klar, dass dieses höchste aller Geschenke, die lächelnde Verständigung über unser Menschsein und ihre immer wieder neue Auslegung nur im Kreis unserer Freunde gelingen kann.
5. Ich wünschte, ich hätte mich glücklicher sein lassen.
Zurück zum Mut: Vor diesem Hintergrund erfordert es Mut, sich Zeit zu nehmen für Gespräche, die an die Grundfesten unseres Daseins rühren, es erfordert Mut, sich gegen das Smithsche man zu stellen, den niemand, der wir alle sind und er wohl am charmantesten das fasst, was wir heute in den Sozialwissenschaften als Diskurs kennen. Erst wenn wir uns vorstellen, wie wir eine bestimmte Tätigkeit rückblickend bewerten würden, die uns alltäglich aufgetragen ist, können wir eventuell erst den Mut aufbringen, nur das anzunehmen, was wir wirklich tun wollen und uns dafür die Zeit zu nehmen, die nötig ist.Schließen möchte ich indes mit Erich Kästner, ich glaube, das steht in Drei Männer im Schnee:
"Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?"
"Nein!"
"Ach, deswegen haben Sie es so eilig!"