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Sonntag, 4. November 2012

Hurrikan Sandy trifft New York. Punkt?

Räume werden im Kopf gemacht, Grenzen existieren nicht von sich aus in der Realität (eine solche vorausgesetzt), sondern vor allem in unseren Überzeugungen, die gegenüber Veränderungen sehr resistent sein können - so viel hat die jüngere Forschung der Geographie gandenlos aufgedeckt. Erstaunlich ist im Machtspiel der Geopolitik aber auch die Ausprägung der Ignoranz, nämlich das Fehlen einer Vorstellung beim vorgeblichen Fehlen einer Relevanz. Ein geopolitisches Achselzucken gewissermaßen.

Sehr schön lässt sich das zur Zeit wieder am Hurrikan Sandy beobachten. Hurrikan Sandy trifft New York. Punkt. Und vielleicht noch ein paar andere Dörfer an der US-Ostküste. Sonst ist ja nichts passiert. Um es gleich deutlich zu sagen: Ein solcher Sturm mit so vielen Toten ist eine Tragödie und die Folgen eines gleich starken Naturereignisses wären in Deutschland kaum abzusehen und der Sturm erreichte im Augenblick seiner größten Wucht diese Region. Dass aber die internationale Presse, und dazu muss ich auch die deutsche Presse als Repräsentant eines nicht unmittelbar betroffenen Landes zählen, so auf die US-amerikanische Lage fokussieren, nachdem die Zerstörungen auf der vorherigen Zugbahn Sandys ebenfalls erschreckende Ausmaße erreicht haben, stimmt mit nachdenklich, wenn nicht instinktiv wütend, da ich eine Ungerechtigkeit wähne: "Was interessiert uns, ob in Haiti, das ohnehin kaum ordentliche Häuser hat, eine Wellblechhütte umfällt? Business as usual. Ja, die Leute dort haben Probleme, aber das hat ja nichts mit uns zu tun." Tue ich den Berichterstattern unrecht? Oder ist das doch ein soziokultureller Neglect, der da auf der Wahrnehmung liegt?

Eine vorsichtige Abschätzung, in Ermangelung eines geeigneten Korpus mittels Google:
  • Suchtreffer "US hurricane sandy" 3.320.000.000
  • Suchtreffer "new york hurricane sandy": 1.470.000.000
  • Suchtreffer "haiti hurricane sandy": 89.500.000
  • Suchtreffer "cuba hurricane sandy": 83.400.000
Allein New York bekommt damit eine Aufmerksamkeit, die bei Textlinks im Web (natürlich ohne Bewertung der Korrektheit der Treffer) die 16fache Aufmerksamkeit beträgt wie bei Haiti. Von der Bilderflut für den angehenden Katastrophentouristen mit Fotostrecken von abgesoffenen Taxis, der dunklen Skyline und Ähnlichem ohne nennenswerte Bilder aus Haiti ganz zu schweigen. Auf der Seite 1 der Google Bildersuche ist mir jedenfalls kein Motiv aus der Karibik aufgefallen. Wie lässt sich das erklären?

Ein paar Hypothesen:
  1. Die Zustände in Haiti sind völlig unklar. Es ist nur klar, dass es verheerend gewesen sein muss. Es gibt keine Reporter vor Ort.
  2. Sehr viele Journalisten sind dagegen immer in New York und berichten naturgemäß zunächst aus eigener Anschauung.
  3. Alle, die ein Smartphone besitzen, sind in der Lage, Bildmaterial zu erzeugen und damit das Netz zu fluten. Wer halb am Verhungern ist wie in Haiti, hat somit im doppelten Wortsinn kaum Sichtbarkeit.
  4. In New York ist es immer das als unverletzlich gedachte Symbol, die in so vielen Hollywood-Filmen gestählte Ikone der westlichen Welt, die tatsächlich (schon wieder!) verletzt wurde. Im Verhältnis zur Erwartungshaltung ist das Bild einer überschwemmten Wellblechhütte in Haiti mit hungernden Bewohnern im Erwartungsrahmen,während ein dunkle und überschwemmte Skyline in New York, der Stadt, die ja angeblich niemals schläft, der Stadt der Träume, die den Erfolgreichen zu dem Urteil verleitet, er könne es jetzt in der ganzen Welt schaffen (wie vermessen, Erfolg in einem sehr genau umrissenen soziokulturellen Kontext zu gerneralisieren) verschreckt und verstört.
Dieser Missstand in der Berichterstattung lässt sich nicht durch einzelne Stimmen beheben, und auch wenn von meinen Hypothesen (Vorurteilen?) einiges davon zutreffen sollte, Aufdecken alleine hilft nicht und solange ich diesen Blogeitrag schreibe, reift in mir die Erkenntnis, dass zumindest ich dann auch etwas tun sollte - immerhin hat das Rote Kreuz einen eindeutigen Spendenaufruf für Haiti formuliert - und nicht für New York.

Donnerstag, 1. November 2012

Lebenszyklus des Wandels

Zumindest kurz will ich mich heute einem Thema widmen, das mich schon länger beschäftigt. Nachdem ich zuletzt Wachstum als Veränderung unter selektivem Vergessen enttarnt habe, richtet sich der Gedanke naturgemäß auf Veränderung. Wie vollzieht sich Veränderung im Alltag? Wie nehmen wir sie war? Wie wünschen wir sie uns? Wie immer können hier natürlich nur einige Aspekte angerissen, werden ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

Da mir Wissenschaft trotz allem schon zur Gewohnheit geworden ist, will ich zunächst sammeln, was ich über Veränderung weiß. Da wäre zunächst das allwissende "panta rhei" der Vorsokratiker, die Physik des Aristoteles, in der Bewegung eine Form von Veränderung ist. Bereits hier findet sich eine Art einfacher Lebenszyklus vom Werden über eine aspektuelle Veränderung hin zum Vergehen (nehmen wir die Kategorienschrift hinzu, also vom ersten Zutreffen eines protoypisch gedachten Klimaxbegriffs an einem Gegenstand bis zu seinem letzten). Halten wir auch fest, dass es ohne ein Ablaufen von Zeit keine Veränderung geben kann und dass es, nehmen wir Augustinus hinzu ("In dir, mein Geist, messe ich die Zeit") ohne Erinnerung keine Beobachtung von Veränderung geben kann. Vermissen (Das Fehlen eines Vergangenen) und Sehnen (das Fehlen eines als zukünftig Antizipierten) werden als menschliche Grundstrebungen erst dadurch aufgespannt und dadurch die Suche nach dem Augenblick, nach dem Teilhaben an dem exakt erstrebten Maß an Veränderung (bis hin zum Flow oder der perfekten Welle, bei der die eigene Veränderung mit der Veränderung der Umwelt im Einklang steht). Und weil der Mensch Werkzeuge bedienen kann, ergeben sich zwei Möglichkeiten der Transformation, um Einklang zu erreichen. Entweder muss die Umwelt angepasst werden - durch Ortsbewegung, Veränderung des sozialen Umfelds oder des Arbeitsplatzes - das ist aber meist teuer (nicht notwendig monetär, aber zumindest (zeit-)aufwändig). Einfacher scheint die im Wortsinn patiente Lösung: Das richtige Mittel verändert meinen Körper, wenn nicht mich so, dass ich in meiner Umwelt aufgehe. Alkohol holt mich in den (nicht-erinnerten?) Augenblick, Kaffe macht mich konzentriert und munter, die Zigarette schafft als Routine des Alltags Sicherheit, Musik im Ohr schafft ein Ensemble aus Herzschlag und Gesang, das notwendige Wege überbrückt und die Schlaftablette lässt mich zur gewünschten Zeit einschlafen. Ich entferne mich langsam vom Kernthema, nur noch so viel: Es ist fraglich, wie viel davon tatsächlicher Mangel an Augenblick ist, der evtl. gar nicht durch das Werkzeug, sondern durch die Suggestion seiner Wirkung erreicht wird und wie viel davon ein allzu exakt getakteter Alltag ist - wie heißt das afrikanische Sprichwort? Ihr habt die Uhren, wir haben (die) Zeit.

Zurück zum Vorverständnis: zuletzt habe ich einiges über die kognitiven Grundlagen von Veränderung gelernt - eher beiläufig im Gespräch auf einer Fachtagung. Ich habe gelernt, dass die Gegenwart ca. 3 Sekunden dauert - das ist die Zeit, die das sensorische Echo unserer Sinne in unserem Geist (so übersetze ich als Humanist dem funktional-materiellen Kontext zum Trotz noch immer am liebsten den Gegenstand der philosophy of mind - den Unterschied zwischen Leib/Seele und body/mind als Sprachwandel in einem kulturgeschichtlichen Kontext zu untersuchen ist sicher irgendwo erforscht) nachhallt und zu einem Augenblick zusammerückt. Das Echo ist es wohl, das Aristoteles zu der zutreffenden Beobachtung kommen ließ, eine Bewegung und eine Veränderung ließen sich nur an Referenzgegenständen festmachen, z.B. indem die Sonne oder ein Ball im Flug die qualitative räumliche Konfiguration mit der Landschaft ändert (links vom Baum, über dem Baum, rechts vom Baum). Notfalls müssen wir solche Referenzen eben selbst schaffen, was mit einem Bleistiftstrich des Schattenwurfs oder einem Beweisfoto heute ja rasch geht. Ich habe zudem gelernt, und das führt uns zum spannenden Teil der Bewertung von Veränderung, dass dem durch die kognitven Notwendigkeit von Begriffen ("etwas an etwas (gedanklich") festhalten") bedingten Beharren eines kognitven Modells die simple Gewöhnung entgegenwirkt. Erst scheint uns das Neue sonderbar (absondernswert), dann bemerkenswert und schließlich sogar vertraut (verwendenswert). Mir wurde von Beispielen in der Mode berichtet, nach denen bestimmte Formen, die zunächst als abstoßend und hässlich empfunden wurden, bei kontinuierlicher Wiedervorlage immer milder und schließlich positiv beurteilt wurden. Spannend auch, dass das Vertraute schnell ins Gewöhnliche abgleitet und abgelegt wird, wenn einer positiven Irritation die nächste Vertrautheit folgt. Ganz ähnlich zu den Lebenszyklusmodellen in der Standorttheorie, nach denen nur ein unverbrauchter Ort leicht Träger einer neuen Funktion werden kann ist es wiederum teuer im Sinne von aufwändig, den Träger einer Vertrautheit (seien es Produkte wie ein Auto oder ein PC oder auch persönliche Beziehungen) durch das Setzen von neuen Irritationen immer wieder in den Raum des Bemerkenswerten zurückzuholen. Nur als Anekdote: In Zentraleuropa ist es viel wichtiger, dass ein Nachfolgemodell eines Autos Familienähnlichkeiten mit seinem Vorgänger aufweist als z.B. in Japan.

Es hängt also (wie immer) von einer bestimmten Sozialisierung und der konkreten Person ab, welcher Grad an Veränderung (anregende Irritation) und welcher Grad an Vertrautheit (wohltuende Kongruenz) nötig ist, um durch Interferenz verschiedener Lebenszykluswellen die eigene perfekte Welle aufzuspannen, in der die Kongruenz des eigenen Daseins in dichtender Kunst und Gesang auf so vielfältige Weise formuliert wird. Als Informatiker bin ich versucht, diese Eigenschaft einer Person als erwünschte Veränderlichkeit a [0..1] bezüglich eines Lebensbereichs definieren zu wollen (wobei 1-a der Wunsch nach Wiederholung, nach dem gleichbleibenden Verharren wäre). Das Abweichen von der wahrgenommenen Veränderung  in den jeweiligen Lebensbereichen bestimmt dann z.B. über Chi-Quadrat oder schlicht das Residuum das Aufgehen oder aben Nicht-Aufgehen, das Ankommen im Augenblick oder das Fremdbleiben.

Ein philosophischer Aufsatz, den ich einst im Grundstudium gelesen habe, stellte die These auf, die Wahrnehmung (Illusion?) von Ewigkeit liege nicht in der Zeitlosigkeit, sondern in der erlebten Transzendenz des Augenblicks, wenn wir uns ein Musikstück oder Film im innersten berührt, wenn in einem Gespräch mit einer geliebten Person die Welt um uns versinkt und eine Oase der Geborgenheit schafft. Wäre mein Modell der Veränderlichkeit, der Distanz zur Welt vor diesem Hintergrund ein einfaches Modell des Glücks?

Sonntag, 28. Oktober 2012

Kürbis-Ernte

Nun mus ich aber doch rasch noch von unserer Kürbisernte berichten. Gleich vorweg, damit kein falscher Eindruck entsteht: Die "Not"-Ernte fand schon am 8.10. statt, um dem tags darauf gemeldeten ersten Nachtfrost nicht zu viel Angriffsfläche zu bieten. Und in der Tat, nur die Kürbisranke in der Hecke hat den ersten leichten Frost überstanden. Somit beträgt nach der etwas kurzen Saison (wir pflanzten wie hier berichtet ja erst Anfang Juli) die durchaus sehenswerte Ausbeute fünf mittelgroße Kürbisse (der größte schaffte es auf fünf Zentimeter - Vorsicht, die gut lesbaren Ziffern auf dem Maßband sind inch!) und einen kleinen Nachzügler aus der Hecke. Hier ein paar Impressionen:


Nun muss noch der Balkon abgeräumt werden (überwintern werden wohl unsere zwei Nadelbäumchen, der Buchsbaum, der Olivenbaum, der Jasmin und natürlich der Apfelbaum) und dann freuen wir uns schon wieder auf die Pflanzzeit nächstes Frühjahr!

Montag, 8. Oktober 2012

Fischland - physisch geographisch

Nachdem wir vier stürmische Tage im Heilbadklima von Fischland hinter uns haben, sollen an dieser Stelle natürlich keine Urlaubsfotos gezeigt werden, sondern nur knallharte geographische Fakten - es hat Spaß gemacht, eine Menge an Mustern wiederzuerkennen, die ich in meinem Grundstudium irgendwann mal erworben hatte. Mal sehen, wie viel geographisches Halbwissen mir erhalten geblieben ist. Lustigerweise hat sich unser Kurzurlaub mit Helgas Exkursion überschnitten, so dass ich natürlich sehr motiviert war, auch ein bisschen was zu Geographisches zu entdecken - immerhin träume ich noch immer von einer Großen Exkursion Ostsee, beginnend in Lübeck, über die polnische Küste und Kaliningrad ins Baltikum und über Schweden und Dänemark zurück. ;)

Werfen wir dazu einen raschen Blick auf die topgraphische Situation:


Größere Kartenansicht 

Wie unschwer zu erkennen, fällt der Bereich idealtypisch unter die Ausgleichsküste, die sich entlang der Ostsee ausgebildet hat. Grund ist zum einen der sehr geringe Tidenhub in Kombination mit einem netto ostwärts gerichteten Transport (der vorherrschenden Windrichtung folgend) der glazialen Ausgangsmaterialien (i.W. Geschiebe von Grundmoränen). Uprünglich waren Fischland, Darß und Zingst unverbundene Grundmoräneninseln, die durch diesen Prozess an ihrer dem Meer zugewandten Seite erodiert wurden. Das Material wuchs in Form von Haken ostwärts, bis sich die Inseln zur heutigen Halbinselkette verbunden hatten. Bis auf Darß haben die Inseln (wahrscheinlich gab es noch ein Prerow-Land nördlich) ordentlich an Substanz verloren - nur Darß gewann nach Norden im Verlauf der letzten 10000 Jahre Schicht um Schicht beinahe 5km Land dazu (der aktuelle Strandhaken ist auf der Karte deutlich sichtbar).

Die heute weiter aktive Erosion zeigt sich an der "Glippe" nördlich von Wustrow, wo marine Erosion ein sukzessives Abbrechen und Zurückversetzen der Küstenlinie Fischlands bedingt (auf dem Bild sieht man gut im oberen Teil der Glippe die Bodenbildungen der durch die Erosion verlorengehenden Böden: Zumindest Humusbildung und darunter liegender Auswaschungshorizont sind zu erkennen)


Durch den beständig wachsenden Haken nördlich von Prerow werden immer wieder Strandseen vom Meer abgeschnürt, die aussüßen und verlanden. Im Darßer Wald finden sich daher im Wechsel Folgen aus fossilen Dünen und moorige Bereiche. Hier der aktuelle Strandsee an der Nordseite von Darß:


Ein etwas besserer Überblick vom Darßer Leuchtturm: In der Bildmitte ein älterer, beinahe verlandeter Strandsee, darunter etwas Bruchwald. Ganz an der Küste ein bildhübscher Windweiser, also ein Baum, der getrieben von den auflandigen Winden nur landeinwärts eine wirkliche Krone ausbilden konnte:


Im Bereich zwischen Weiß- und Graudünen im marinen Akkumulationsbereich brechen mitunter auch ohne Zutun des Menschen (Kernzone Nationalpark) bereits begonnene Bodenbildungsprozesse wieder ab und werden äolisch erodiert (in der linken Bildmitte ist von der Westseite ein erodierter initialer Bodenhorizont zu erkennen):


Verlandende Strandseen fallen nur aus der Nähe durch den üppigen Bewuchs mit limnophilen Gewächsen und dazwischen liegende Entwässerungsrinnen auf:


Durch die Verbindung der urprünglichen Inseln zu einer Halbseekette wurde auch der dahinterliegende Bereich weitgehend vom Meer abgeschnitten: die Boddenlandschaft. Hier ist der Salzgehalt noch niedriger als in der Ostsee ohnehin, so dass hier ein zu Aussüßung neigender Brackwasserbereich vorherrscht. Durch beständige Sedimentation der mündenden Gewässer liegt die Wassertiefe im Bodden daneben nur noch ein bis zwei Meter unter der Wasseroberfläche. Wegen seines Fischreichtums wurde hier zuerst mit der Befischung begonnen. Im Bild zeigt sich der Bodden (rechts) und die angelagerten Siedlungen (Kirchturm von Wostrow links):


Historisch liegen die Siedlungen natürlich auf den alten Inselkernen in sicherer Entfernung zur offenen See. Erst jüngere Entwicklungen (Strandtourismus) bedingen eine zunehmende Einbringung von Infrastruktur in Küstennähe (und damit im Flut- und Erosionsgebiet). Historisch reicht die Besiedlung bis in slawische Zeit zurück (wie für Vorpommern, das erst sehr spät zum Frankenreich kam, zu erwarten). Die weitergehende Besiedlung und Kontrolle der Küste war stark durch die Hanse geprägt.
Dadurch ist zu erklären, dass die Küste abgesehen von einzelnen Schutzbereichen wie oben abgesehen natürlich nachhaltig vom Menschen überformt ist. Bestes Zeugnis sind Küstenschutmaßnahmen wie Buhnen (im Bild links) oder als Küstenschutz genutzte Dünen (rechts):


Seebrücken und Strandbäder sind darüber hinaus häufig mit vorgelagerten Steinwällen gesichert. Der Strand dahinter reagiert sichtbar auf die veränderten Erosionsbedingungen mit Ausbildung von auf den Küstenschutz zuwachsenden Ausbuchtungen:



Der nasse Strand mit Strandwall und Vordüne ist meist für eine touristische Nutzung ausgeräumt und optimiert. Warum er nasser Strand heißt, zeigte sich nach einer mehrstündigen Überstreichung des offenen Meeres durch starke Sturmwinde: Die Brandung erreicht im Bild die Schutzdüne.


Die Sicherungsmaßnahmen sind aber mehrstufig: Hinter der Düne folgt ein Deich und erst danach höherwertigere Infrastruktur:

Donnerstag, 27. September 2012

Tornado in Bischberg?

Ganz so schlimm wie der Titel es vermuten lässt, hat es uns nicht getroffen - die typisch walzenartig nach unten wabernden Wolken einer Kaltfront, an deren Vorderseite die erwärmten Luftmassen des Tages nach oben gerissen werden und an deren Stelle kalte Luft strudelnd in die Tiefe stürzt, durften wir aber heute Abend von unserem Balkon aus live bewundern. Gespenstisch war, dass es bis zum Eintreffen der Wolkenfront absolut windstill war, obwohl man das nahende Unheil schon deutlich erkennen konnte. Links unten kann man noch vage den störungsfreien Sonnenhimmel erahnen, rechts der Wolkenfront sind schon die Fallstreifen der Hagelkörner zu sehen, die auf der Rückseite lauerten:


Nach wenigen Minuten sah es dann schon so aus (aus sicherer Distanz hinter der Scheibe):


Wenn die Situation Anfang Juli beim Verwüsten unseres Balkons auch nur ansatzweise so ähnlich aussah (es war ja dunkel...), wundert mich nichts mehr - immerhin war da die Luft bei maximalem Sonnenstand ja ohnehin schon ordentlich aufgeheizt und labil. Heute ist übrigens nichts passiert - wir sind ja lernfähig und haben vorher alles ordentlich aufgeräumt.
Dank übrigens an die Wetter-Warnmail des DWD (die ich gestern früh noch für die Warnung vor Nebel belächelt habe - es zogen lediglich ein paar Schwaden über den Main) - im Büro in Gedanken versunken über einer Präsentation hat sie mich dazu gebracht, mich nach einem prüfenden Blick auf das Niederschlagsradar gerade noch rechtzeitig auf's Fahrrad zu schwingen und trockenen Pedals nach Haus zu brausen, solange sich Blitze und Regen schon über Viereth austobten - und den Vortrag lieber daheim fertig zusammenzuklicken...

Sonntag, 23. September 2012

Geschichten vom Wachstum (zum Hinschauen!)

Nachdem sich unsere erste Saison als Hobby-Gärtner zum Ende neigt, muss ich doch noch einmal die Kräfte der Natur in einer kurzen Foto-Doku vergleichend gegenüberstellen. Beispiel ist unsere Kürbispflanze hinter dem Haus auf dem Komposthaufen, an deren Entwicklung nicht nur wir, sondern auch unsere Nachbarn lebhaften Anteil genommen haben und die durch Freischneiden, Zurechtbiegen u.ä. sein Wachstum unterstützt haben.
Los ging alles mit dem (für einen Kürbis etwas verspäteten) Pflanzen von Marie-Christins Geschenk am 02.07 - sozusagen als Notrettung, nachdem das Pflänzchen auf dem Balkon offensichtlich vom akuten Hitzetod bedroht war:


Fast vier Wochen dauerte es, bis sich am 29.07. die Triebe gut erholt hatten. Neue Blätter reckten sich fröhlich in den Himmel und es zeigten sich erste Blüten:


Zwei Wochen später, am 15.08. schickte sich der muntere Kürbis an, die Absperrung des Komposthaufens hinter sich zu lassen:


Dann nahm alles Fahrt auf. Schon zehn Tage am 25.08. war die Absperrung überrankt und die Wiese erreicht:


Wieder eine Woche später am 02.09. kann Anette einen Sprung um fast einen Meter präsentieren:


Zurück aus dem Urlaub trauten wir unseren Augen nicht - zwischenzeitlich war die Hecke erobert und im Hintergrund der Komposthaufen überrankt. Das Bild zeigt den Zustand am gestrigen Samstag (22.09.).


Hier noch mal der Kürbis aus der obigen Bildmitte in der Vergrößerung: fünf faustgroße Früchte haben sich trotz der späten Pflanzzeit tatsächlich noch entwickelt.


Es läuft wohl auf einen Wettlauf zwischen dem ersten Nachtfrost und Früchten wirklicher Kürbisgröße hinaus - wir werden es gespannt verfolgen und hier berichten, wie es ausging!

Dienstag, 18. September 2012

Reisen im August

Nach einem am Ende eher hektischen Sommersemester lohnt sich wieder eine kurze episodische Rückschau auf die Reisen des Sommers:

- Nach Untereuerheim: Zum Staunen über den liebevoll gepflegten High-Tech-Garten und zum DSA-Spielen im Hause Helbig. Da kommen wir immer gerne!

- Nach Wermerichshausen: Zum Kleinen Jonathan (und seinen Eltern und Großeltern), der gar nicht mehr sooo klein ist und einer Rückkehr zur tollsten Hängematte Unterfrankens.

- Dauerhaft in die ERBA: Zu einem etwas moderneren, wenngleich dunkleren neuen Büro.

- Nach Köln: Zum Internationalen Geographentag. Durchwachsenes Niveau der Sessions, ein buntes Völkchen und eine freundliche, aber echt funktional-hässliche Stadt. Wer baut schon eine vierspurige Straße neben einen Dom? Und: Kölsch ist kein Bier. Ich habe ihm jetzt oft genug eine Chance gegeben, um das nun abschließend beurteilen zu können.

- Nach Seeon (innerhalb von 12 Stunden aus  Köln inkl. Aufenthalt in Bischberg nebst Vortragüberarbeitung): Ein kleiner, aber feiner internationaler Workshop zu Place Reserach, auf dem ein paar Große der Zunft ganz nah erlebt werden konnten und ein Spaziergang mit Peter um den verregneten See am Kloster.

- Nach Berlin zu Dagmar: Nur zum Besuch des Zoos waren wir im "Westen". Die alte Stalinallee (jetzt: Karl-Marx-Allee), der Alex und der Hackesche Markt waren dazu einfach zu schön. Und Potsdam liegt nicht wirklich in Westberlin. Unglaublich bunt und vielfältig: da fällt Köln einfach merklich ab.

- Wieder mal nach Graisbach zu Melanie und Jochen: Hanfparty. Natürlich nur Thermo-Hanf zum Isolieren des Dachs im Neubau. Ein gelungenes DJK-Feature, glaube ich!